Pharma-Industrie

Zukünftig keine Arzneimitteltests mehr bei Bayer

Der Pharmahersteller Bayer will Medikamententests an externe Dienstleister auslagern. Bisher verhandelt Bayer mit zwei externen Partnern. Die endgültige Entscheidung soll Ende 2012 fallen.

Deutschlands größter Pharmakonzern, die Bayer AG, will offenbar Arzneimitteltests am Menschen nicht mehr selbst durchführen. Wie die FT Deutschland berichtet, verhandelt das Unternehmen bereits mit zwei externen Partnern.

Bayer hatte bei Mitarbeiterversammlungen in Berlin und Wuppertal informiert, dass man zunächst mit zehn Medizindienstleitern zur Auslagerung der klinischen Phase-I-Tests gesprochen habe, davon seien nun zwei in die engere Wahl gekommen. Die Tests der Phase I an gesunden Menschen sind die einzigen, die die Pharmaunternehmen selbst durchführen können, Tests der Phasen II und III werden an Kranken durchgeführt, die währenddessen ärztlich betreut werden müssen.

Die Pillen verabreichen in Zukunft andere: Bayer will seine Arzneimitteltests an externe Medizindienstleister auslagern. (Foto: flickr/ThomasThomas)

Die Pillen verabreichen in Zukunft andere: Bayer will seine Arzneimitteltests an externe Medizindienstleister auslagern. (Foto: flickr/ThomasThomas)

Was in anderen Ländern längst üblich ist, gewinnt auch in Deutschland immer mehr an Bedeutung: Die US-amerikanische Testgesellschaft Convenance, ein Unternehmen mit mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz im Jahr, arbeitet bereits seit Jahren mit Bayer zusammen; im Mai 2012 vereinbarten die Firmen eine langfristige Partnerschaft für Phase-II- und Phase-III-Studien sowie zu Studien, die nach der Zulassung eines Medikaments stattfinden. Der Darmstädter Pharmakonzern Merck kooperiert ebenfalls schon länger mit den CRO (Contract Research Organisations) genannten Testgesellschaften. Deutschlands zweitgrößter Pharmaanbieter Boehringer wiederum hält an seinen eigenen Teststationen in Biberach und Ingelheim fest: Der Kosten- und Zeitspareffekt sei für Boehringer „nicht überzeugend“, heißt es aus dem Unternehmen.

Wie Bayer auf den Mitarbeiterversammlungen mitteilte, soll der auszuwählende Medizindienstleister beide Probandenstationen in Berlin und Wuppertal betreiben und auch die 25-köpfige Belegschaft übernehmen. Damit fiele die Berliner Uniklinik Charité aus dem Rennen, die lediglich den Standort in der Hauptstadt übernehmen wollte. Man geht davon aus, dass es sich bei den beiden verbleibenden Bewerbern um private CRO handelt.

Es gilt als sicher, dass Bayer bereits eine Entscheidung für die Auslagerung der klinischen Tests getroffen hat, da der Konzern sonst nicht soweit fortgeschrittene Verhandlungen führen würde. Offiziell spricht Bayer von der Auslagerung noch von einer „möglichen Option“ und kündigt eine endgültige Entscheidung für Ende 2012 an.

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