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Neues Medikament bringt Hoffnung für Fettleber-Patienten

Die Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg haben mit Erfolg einen Wirkstoff gegen nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen im Tierbereich getestet, der jetzt in klinischen Studien als Tablette verabreicht werden soll. Für die wegweisende Arbeit wurden die Ärztin Dr. Anita Pathil-Warth und ihr Forscher-Team mit dem Adolf-Kußmaul-Preis der Falk Foundation ausgezeichnet.

Wissenschaftler um Dr. Anita Pathil-Warth von der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg haben einen neuen Wirkstoff gegen nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen entwickelt und erfolgreich im Tierversuch getestet. Wer an einer nicht-alkoholischen Fettleber leidet, muss darauf hoffen, dass Diät und ausgewogene Ernährung seine Leber vor weiteren Schäden schützt – Medikamente gibt es nicht. Pathil-Warth, Assistenzärztin an der Abteilung für Gastroenterologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und Kollegen haben eine Wirkstoffverbindung gefunden, die im Tierversuch die Leberverfettung stoppt und die daraus hervorgehende Entzündung ausheilen lässt. Die Bestandteile des Wirkstoffs kommen von Natur aus in der Leber vor und verursachten bei Mäusen keine Nebenwirkungen. Für diese wegweisende Arbeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Hepatology, ist die 30-jährige Medizinerin mit dem Adolf-Kußmaul-Preis der Falk Foundation e.V. ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Vielversprechender Therapieansatz bei Lebererkrankungen: Gemeinsam mit einem Phospholipid soll Gallensäure helfen, Hepatitis und Leberzirrhosen zu heilen. (Foto: flickr/shinyai)

Vielversprechender Therapieansatz bei Lebererkrankungen: Gemeinsam mit einem Phospholipid soll Gallensäure helfen, Hepatitis und Leberzirrhosen zu heilen. (Foto: flickr/shinyai)

Gastroenterologen schätzen, dass rund jeder fünfte Erwachsene in Deutschland an einer sogenannten nicht-alkoholischen Leberverfettung leidet. Anders als bei der alkoholischen Fettleber wird diese Erkrankung nicht durch übermäßigen Alkoholkonsum verursacht. Die Folgen sind allerdings dieselben: Bei ca. 20 Prozent der Betroffenen kann die Verfettung Entzündungen (Fettleber-Hepatitis) bis hin zu Leberzirrhose und -krebs auslösen. Die Erkrankung wird meist nur zufällig entdeckt, da sie in der Regel keine oder nur leichte Beschwerden wie Völlegefühl verursacht. Die Mehrzahl der Patienten ist stark übergewichtig und leidet an der Zuckererkrankung Diabetes Mellitus Typ 2. Aber auch Normalgewichtige können betroffen sein.

Die Abläufe im Körper, die zur nicht-alkoholischen Fettleberhepatitis und -zirrhose führen, unterscheiden sich von der alkoholischen Form und sind bisher nicht abschließend erforscht. Die einzigen Gegenmaßnahmen sind aktuell eine allmähliche Gewichtsreduktion und die genaue Einstellung von Blutzucker und Fettstoffwechsel. „Wir gehen heute davon aus, dass ein Großteil der Leberzirrhosen, deren Ursache bisher nicht geklärt werden konnte, auf nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen zurückgehen. Das ist ein relevantes Problem, für das wir dringend eine Behandlung brauchen“, erklärt Pathil-Warth.

Gemeinsam mit ihrem Team untersucht sie eine neue Verbindung aus Gallensäure und einem sogenannten Phospholipid, einem natürlichen Bestandteil der Zellhüllen im Körper. Gallensäure ist ein gängiges Medikament bei Erkrankungen von Leber und Galle mit wenigen Nebenwirkungen. „Eine US-amerikanische Studie von 2004 hat gezeigt, dass [Gallensäure] alleine nicht ausreichend gegen Fettlebererkrankungen wirkt. Durch die Verbindung mit dem entzündungshemmenden Phospholipid LPE konnten wir die Schutzwirkung bei Mäusen verstärken“, so Pathil-Warth. Dies gelang sowohl bei Fettleber in Verbindung mit Übergewicht als auch bei Fettleber als Folge einer Stoffwechselstörung: Die Leberwerte besserten sich und die Fetteinlagerungen in den Leberzellen gingen zurück. Die Entzündungsreaktionen klangen ab, wodurch eine Hepatitis gar nicht erst auftrat beziehungsweise ausheilte.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die neue Verbindung hervorragend als Medikament gegen die nicht-alkoholische Fettleberhepatitis eignen könnte“, so Pathil-Warth. Nun arbeitet die Gruppe an einer geeigneten Verabreichungsform, damit der Wirkstoff zukünftig – zunächst im Rahmen klinischer Studien – als Tablette eingenommen werden kann.

Kommentare

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  1. Da dieser Beitrag von 2012 ist, würde es mich interessieren ob es schon ein wirksames Medikament gegen Fettleber gibt. Habe vor kurzem erfahren, dass ich an einer Fettleber leide und meine Leberwerte schlecht sind, so dass sich dieses auf meiner Haut extrem auswirkt.
    Falls es ein Medikament gibt würde ich mich freuen wenn Sie mir diesen mitteilen würden.
    Mit besten Grüßen
    M. Muswik

  2. Auch ich leide seit Jahren an einer Fettleber mit erhöhten Leberwerten. Falls es jetzt ein Medikament gibt würde ich mich feuen wenn Sie mir dies mitteilen würden

    Mit besten Grüßen
    K. Hennig

  3. Hallo !!
    Seit Jahren leide ich an einer stoffwechselbedingten Fettleber u ich trinke keinen Alkohol !!
    Wäre über ein Medikament was effizient helfen könnte die Fettleber auszuheilen sehr erfreut! !
    Mit besten Grüßen Martha