Diabetes

Anti-Stress-Therapie mindert Diabetikerleiden

Eine kontrolliert klinische Studie, die den Effekt der Stressreduktion bei Diabetikern untersucht, belegt die positive Wirkung mit dem Umgang der Diabetes-Erkrankung. Die Teilnehmer zeigten weniger Depressionen und seien körperlich fitter. Welchen Einfluss die Therapie auf die Nierenfunktion haben werde, sei erst in vier Jahren nach Abschluss der Studie zuverlässig feststellbar.

Diabetiker, die durch ein „Anti-Stress-Training“ besser entspannen und den psychischen Umgang mit ihrer Erkrankung lernen, haben langfristig möglicherweise weniger gesundheitliche Schäden und psychische Probleme. Zu diesem Ergebnis kommt die Heidelberger Diabetes und Stress-Studie (HeiDis), die erste kontrollierte klinische Studie, die den Effekt der Stressreduktion bei Diabetikern untersucht. Ihre Ergebnisse nach einem Jahr Therapie sind jetzt veröffentlicht worden: Die Teilnehmer an der achtwöchigen Anti-Stress-Gruppentherapie mit wöchentlichem Übungsprogramm waren nach einem Jahr weniger depressiv und körperlich fitter, hatten z.B. einen niedrigeren Blutdruck. Allerdings war ihre Eiweiß-Ausscheidung, die mit nachlassender Nierenfunktion zunimmt, unverändert – bei der unbehandelten Kontrollgruppe hatte sich diese weiter verschlechtert.

Wer entspannt ist, lebt meist gesünder. Bei Diabetikern konnte jetzt ein positiver Effekt von Anti-Stress-Therapien festgestellt werden. (Foto: flickr/anieto2k)

Wer entspannt ist, lebt meist gesünder. Bei Diabetikern konnte jetzt ein positiver Effekt von Anti-Stress-Therapien festgestellt werden. (Foto: flickr/anieto2k)

„Eine zuverlässige Aussage über den Effekt der Therapie auf den physischen Zustand ist erst nach Abschluss der Studie in vier Jahren möglich“, erklärt Professor Dr. Wolfgang Herzog, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Psychosozialen Zentrums am Universitätsklinikum Heidelberg. „Wir sind aber schon jetzt sicher, dass die psychische Situation der zuckerkranken Patienten durch ein wöchentliches Antistress-Programm verbessert werden kann.“

Die Ergebnisse der HeiDis-Studie, an der insgesamt 110 Diabetiker, Männer und Frauen, teilnahmen, wurden in der Zeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht. Die Studie wird von der Manfred-Lautenschläger-Stiftung gefördert.

Gemeinsam mit der Abteilung Endokrinologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Peter Nawroth wurden für die HeiDis-Studie Patienten rekrutiert, die seit Jahren an Diabetes litten und ein hohes Risiko für Komplikationen hatten. Diese Patienten haben besonders häufig Depressionen und Ängste, da sie ihre Erkrankung als einschränkend und bedrohlich erleben. Zusätzliche Gesundheitsprobleme durch Gefäßschäden, z.B. an Herz und Augen, sind ebenfalls häufig.

Hinweise dafür, dass ein Anti-Stress-Programm Schäden verhindern kann, fand Nawroth und sein Forschungsteam in Tierversuchen sowie in einer Pilot-Studie vor fast zehn Jahren: Testpersonen unter Stress zeigten nicht nur hohe Stress-Hormonspiegel, sondern aktivieren das Schlüsselmolekül, den sogenannten Transkriptionsfaktor NF-kappaB, der Entzündungen und Abbauprozesse auslöst. Die Hypothese, die HeiDis nun testet, lautet im Umkehrschluss: Kann weniger Stress gesundheitliche Schäden verhindern?

Durch Erhöhung der Achtsamkeit zielte das Antistress-Programm darauf ab, dass die Patienten ihre Erkrankung einschließlich der unangenehmen Erscheinungen besser akzeptieren und sich darüber austauschen. In acht wöchentlichen Abendtreffen, die jeweils gemeinsam von einer Psychologin und Ärztin geleitet wurden, lernten die Patienten ihre Erkrankung neu erleben. Dabei halfen Atem- und Meditationsübungen ebenso wie Übungen im Umgang mit kritischen Situationen, z.B. einer Unterzuckerung, und medizinische Information. Als Konsequenz litten die Patienten seltener an Depressionen, wie die Auswertung von Fragebögen ergab; ihr körperlicher Zustand verbesserte sich durch eine Senkung des Blutdrucks und die Reduktion weiterer kardiovaskulärer Risikofaktoren.

Die Teilnehmer bewerteten ihre Therapie überwiegend als positiv; ihre Lebenseinstellung zu der Erkrankung habe sich geändert, sie wollten nun insgesamt bewusster und aufmerksamer leben. Jeder zweite Teilnehmer war an einer Fortsetzung der Therapie interessiert.

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