Deutschland

AOK: Fehlverhalten im Gesundheitssystem stärker bekämpfen

Die AOK Bayern deckte in den letzten Jahren 4.000 Verdachtsfälle von Fehlverhalten im Gesundheitswesen auf, der Schaden betrug insgesamt 7,1 Millionen Euro. Insbesondere sollen es illegal importierte Krebsmedikamente gewesen sein, die gesetzes- und vertragswidrig als deutsche Originalpräparate abgerechnet wurden – 6,4 Millionen Euro konnte die AOK Bayern wieder erfolgreich zurückfordern.

Die AOK Bayern hat in den letzten Jahren über 4.000 Verdachtsfälle von Fehlverhalten im Gesundheitswesen aufgedeckt. Diese Zahl hat die Krankenkasse jetzt im Fehlverhaltensbericht 2010/2011 vorgelegt. Der finanzielle Schaden aus solchen Fällen betrug in diesem Zeitraum 7,1 Millionen Euro, davon konnte die AOK Bayern 6,4 Millionen erfolgreich zurückfordern.

Fehlverhalten kommt laut dem Bericht in fast allen Bereichen des Gesundheitswesens vor: Bei Arzneimitteln, ärztlichen Honorarabrechnungen, Hilfsmitteln wie Rollstühle, Häuslicher Krankenpflege oder Heilmitteln wie etwa Massagen.

Apotheken in Bayern haben vielfach billig importierte, nicht zugelassene Krebsmedikamente als Originalpräparate abgerechnet. Die AOK Bayern schätzt ihren Schaden auf sieben Millionen Euro. (Foto: flickr/pilot_micha)

Apotheken in Bayern haben vielfach billig importierte, nicht zugelassene Krebsmedikamente als Originalpräparate abgerechnet. Die AOK Bayern schätzt ihren Schaden auf sieben Millionen Euro. (Foto: flickr/pilot_micha)

Einen Schwerpunkt der Ermittlungen bildeten illegal importierte Krebsmedikamente: Apotheken in ganz Bayern gaben in Deutschland nicht zugelassene Importpräparate ab, rechneten diese aber mit der AOK gesetzes- und vertragswidrig als deutsche Originalpräparate ab. So laufen zwischenzeitlich 25 Ermittlungsverfahren bei den zuständigen Staatsanwaltschaften, Experten schätzen die Schadenssumme auf bis zu sieben Millionen Euro.

Doch nicht nur einzelnen konkreten Verdachtsmomenten sind die AOK-Ermittler nachgegangen, auch eine groß angelegte Routineprüfung wurde vorgenommen: So ergaben über 28.000 Abrechnungsprüfungen auf Plausibilität und Rechtmäßigkeit eine Schadenssumme von 12,7 Millionen Euro, die Rückholung betrug bislang 10,7 Millionen Euro. Ebenso wurden auch Anspruchsprüfungen bei Beendigung der Mitgliedschaft vorgenommen.

Dr. Helmut Platzer, Vorstandsvorsitzender der AOK Bayern, sieht trotz einer Rückholquote von knapp 90 Prozent noch Verbesserungsbedarf: „Für eine effizientere Bekämpfung von Fehlverhalten ist eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft mit Spezialisierung auf die komplexen Gegebenheiten im Gesundheitswesen unerlässlich.“ Er fordert eine zentrale Stelle, die Fehlverhalten bekämpfen soll und hält es zu dem für sinnvoll, „regionale Gruppen aus spezialisierten Ermittlungsbeamten“ zu bilden.

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