Neurologie

Depressionen lassen Hirn schrumpfen

Ein Steuer-Gen namens GATAI hemmt den Aufbau von Nervenverbindungen, wodurch eine Depression hervorgerufen wird. Mit den aktuellen Erkenntnissen sollen neue effektivere Ansätze für Therapien und Medikamente geschaffen werden.

Depressionen und chronischer Stress hemmen die Bildung von Synapsen, so dass eine „Schrumpfung“ des Gehirns die Folge sein kann. Ein Forscherteam um Ronald Duman, Professor für Psychiatrie, Neurobiologie und Pharmakologie an der renommierten Yale Universität im US-Bundesstaat Connecticut, veröffentlichte in der Fachzeitschrift Nature Medicine eine Studie, die zeigt, wie in bestimmten Hirnarealen aufgrund von Depressionen die Zahl von Nervenverbindungen zurückgeht und Hirnzellen verkleinert sind. Die Forscher untersuchten dazu die Gehirne von Verstorbenen, die zu Lebzeiten an einer schweren Depression („major depression“) litten und führten Tierversuche an Ratten durch.

Der Rückgang der Synapsen und die damit verbundene Abnahme des Hirnvolumens tritt vor allem im präfrontalen Kortex auf, der als oberstes Kontrollzentrum für die Handlungssteuerung angesehen wird und gleichzeitig an der Regulierung emotionaler Prozesse intensiv beteiligt ist.

Eine gesundes Neuron: Wie Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben, werden bei Depressionen Gene aktiviert, die das Wachstum und die Verbindung von Nervenzellen hemmen. (Foto: Wikipedia)

Eine gesundes Neuron: Wie Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben, werden bei Depressionen Gene aktiviert, die das Wachstum und die Verbindung von Nervenzellen hemmen. (Foto: Wikipedia)

Ursache für die Schrumpfung ist ein Transskriptionsfaktor – auch Steuer-Gen genannt – namens GATA1, das mindestens fünf Gene kontrolliert, die die Funktion und die Struktur von Hirnsynapsen beeinflussen. In den Versuchen mit Ratten wurde die Aktivität von GATA1 künstlich gesteigert, woraufhin die Tiere eine Depression entwickelten. „Wir konnten zeigen, dass die Schaltkreise, die normalerweise an Emotionen und Wahrnehmung mitwirken, unterbrochen werden, sobald dieser einzelne Transkriptionsfaktor aktiviert ist“, sagt Duman.

Er erhofft sich von den Erkenntnissen neue und effektivere Methoden zur Behandlung von Depressionen, etwa in der Entwicklung besserer Antidepressiva: Wirkstoffe, die die Aktivität von GATA1 hemmen, sollten dazu geeignet sein, Depressionen zu lindern. „Wir hoffen, dass wir mit der  Stärkung synaptischer Verbindung – sei es durch neuartige Arzneimittel, sei es durch Verhaltenstherapien – effektivere Therapien gegen Depressionen entwickeln zu können“, so Duman.

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