Analyse

Augenheilkunde: Vorbild für gesamtes Gesundheitssystem?

Bis zum Jahr 2030 werden die Behandlungen durch Augenärzte um 35 Prozent ansteigen, dies geht aus einem aktuellen Bericht der Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) hervor, die die Versorgungssituation in Deutschland untersucht. Mehrbelastungen müssen deshalb vorzeitig erkannt und umstrukturiert werden.

Aufgrund des demographischen Wandels wird die Zahl der Behandlungen durch Augenärzte bis zum Jahr 2030 um 35 Prozent steigen. Das geht aus einem Bericht der Deutschen Ophtalmologischen Gesellschaft (DOG) hervor, der die vergangene und künftige Versorgungssituation in Deutschland untersucht hat.

Die Gesellschaft der Augenärzte geht davon aus, dass ihre Zunft dem Gesundheitssystem lediglich 0,9 Prozent der Ausgaben kostet. Und das obwohl sie der DOG zufolge 5,4 Prozent aller Behandlungsfälle bearbeitet: „Damit ist die Augenheilkunde einer der am meisten frequentierten Fachbereiche der Medizin und zugleich ein eher geringer Kostenfaktor im Gesundheitswesen – also ein günstiges Fach“, sagt der Autor der Studie Dr. med. Christian Wolfram von der Universitäts-Augenklinik in Mainz.

Dies verwundert insoweit, als dass die Augenärzte zu den Topverdienern unter den Medizinern gehören. Dem Statistischen Bundesamt und dem Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) zufolge sind Augenärzte durchschnittlich die am drittbesten verdienenden Ärzte in Deutschland. Ein niedergelassener Augenarzt verdient demnach im Monat etwa 14.000 Euro brutto. Nur niedergelassene Orthopäden und Radiologen können einen besseren verdienst aufweisen.

Hier zeigt sich ein Ansatz gegen die steigenden Kosten im Gesundheitsbereich. Denn der Bericht von Dr. Wolfram hat auch eine massive Umstrukturierung bei den Augenärzten feststellen können: Von 2000 bis 2010 ist der Anteil von Einzel-Praxen um ein Viertel gesunken. Die Zahl von stationären Betten im augenmedizinischen Bereich ist sogar um 30 Prozent zurückgegangen.

Die Versorgung hat sich also eher konzentriert und scheint eine hohe Effizienz entwickelt zu haben. Doch die steigenden Behandlungszahlen könnten dieses funktionierende Teilsystem gefährden. Denn bereits jetzt sehen sich Augenmediziner selbst einer großen Arbeitsbelastung ausgesetzt.

Es wäre Klug, die Strukturwandlung in der Ophtalmologie zu ergründen und gegebenenfalls auf andere Teilbereich zu übertragen. Gleichzeitig sollte frühzeitig auf die bevorstehende Mehrbelastung reagiert werden. Denn nicht selten ist es billiger, ein funktionierendes System zu erhalten, als ein überlastetes wieder in Ordnung zu bringen.

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