Infektionen

Verseuchte Tattootinte führt zu Hautproblemen

Mykobakterien, die im Trinkwasser vorkommen infizieren 19 Amerikaner, die sich im selben Tattoostudio tätowieren ließen. Dermatologen warnen, dass dies ein ernstzunehmender Fall für die Öffentlichkeit sei, weil so viele davon betroffen seien und die Infektionen nur mit Antibiotika in den Griff zu bekommen seien.

In den USA kam es zu mehreren Fällen einer Erkrankung mit Mykobakterien, die sich alle auf verunreinigte Tätowiertinte zurückführen lassen. Eine Studie, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, dokumentiert 19 Fälle – der bislang größte gemeldete Ausbruch.

Die Fälle traten in der Umgebung der Stadt Rochester im US-Bundesstaat New York auf. Mary Gail Mercurio, Dermatologin am University of Rochester Medical Center, hat 18 der Fälle beobachtet. Sie sagt, dass manche tätowierte Menschen allergische Reaktionen oder andere dermatologische Komplikationen zeigen, doch es sei nicht alltäglich. „Ich hab über Jahre schon oft Menschen mit Hautproblemen im Zusammenhang mit Tattoos gesehen, doch niemals so viele: Die Menge der betroffenen Patienten macht dies zu einem ernstzunehmenden Fall für die öffentliche Gesundheit.“

Tattoos sind weit verbreitet und vielfach beliebt, zu leichten Komplikationen kommt es immer mal wieder. Bei einer Infektion mit Mykobakterien ist allerdings eine Behandlung mit Antibiotika angesagt. (Foto: flickr/I Am Paul‘s Typing Fingers)

Tattoos sind weit verbreitet und vielfach beliebt, zu leichten Komplikationen kommt es immer mal wieder. Bei einer Infektion mit Mykobakterien ist allerdings eine Behandlung mit Antibiotika angesagt. (Foto: flickr/I Am Paul‘s Typing Fingers)

„Patienten und Ärzte müssen sehr aufmerksam sein, wenn sie sehen, dass sich in einer Tätowierung ein Ausschlag bildet“, so Mercurio weiter, „viele der von mir behandelten Patienten glaubten, ihre Haut sei lediglich etwas irritiert und es handele sich um ein Problem, das während des Heilungsprozesses verschwinden würde. Tatsächlich hatten sie eine Infektion, die mit Antibiotika behandelt werden musste.“

Aufmerksam wurden Ärzte durch den Fall eines 20-jährigen, der schon viele Tattoos besaß, von denen bislang keines Probleme gemacht hatte. Im Oktober 2011 entwickelte er an einem neuen Tattoo auf seinem Arm einen dauerhaften, entzündeten Ausschlag. Nachdem das Monroe County Department for Public Health von seinem Fall erfahren hatte, ermittelte es weiter und konnte 18 weitere Personen ausfindig machen, die ähnliche Ausschläge entwickelt hatten, nachdem sie im selben Tattoostudio beim selben Tätowierer waren.

Als Erreger konnte das Mycobacterium chelonae ausfindig gemacht werden, das im Trinkwasser vorkommt. Die Infektion mit dem Bakterium führte bei den Betroffenen zu roten, juckenden Beulen. Ein Hersteller von Tätowiertinte aus Arizona hatte schwarze Tinte mit destilliertem Wasser verdünnt, um einen grauen Effekt zu erzielen. Manche Arten von Mykobakterien sind in der Lage, sich in destilliertem Wasser zu vermehren und lassen sich auch schlecht aus einmal infizierten Leitungswassersystemen wieder entfernen.

Robert F. Betts vom Medical Center beschreibt, wie die Infektion verlaufen sein könnte: „Wahrscheinlich hat das Wasser zur Verdünnung die Bakterien in die Tinte gebracht und durch die beim Tätowieren entstehende Wunde konnten sie in die Haut eindringen und wachsen.“ Betts sagt, dass diese Art des Bakteriums am besten bei einer Temperatur von 30 °C wachse, was unter der normalen menschlichen Körpertemperatur von 37 °C liege. Allerdings sei die Haut kühler als der restliche Körper, was erklären kann, warum das Bakterium an tätowierten Stellen so gut gedeihe.

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