Gesundheitswirtschaft

BDI gründet Ausschuss für Gesundheitswirtschaft

Pharmakonzerne wollen die Liberalisierung des Gesundheitsmarktes vorantreiben. Die Gesundheitswirtschaft soll sich zum Wohle von Patienten, Bürgern und Gesellschaft entwickeln, mit weniger Bürokratie. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet damit, dass die Bruttowertschöpfung bis 2030 kontinuierlich steigen wird.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat den „BDI-Ausschuss für Gesundheitswirtschaft“ gegründet, um „geeignete politische Rahmenbedingungen“ für die deutsche Gesundheitswirtschaft zu fördern. Als Ausschussvorsitzenden konnte der BDI das Bayer-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Wolfgang Plischke gewinnen, „einen überaus erfahrenen und kenntnisreichen Vertreter der Gesundheitswirtschaft“.

Der BDI hat die Gesundheitswirtschaft schon lange für sich entdeckt. Mit der Initiative „BDI initiativ – Wirtschaft für Gesundheit“, die 2003 unter dem Namen „BDI initiativ – Vitale Gesellschaft“ ins Leben gerufen wurde, wollen Wirtschaftsverbände und Gesundheitskonzerne „das Potenzial der Gesundheitswirtschaft als führendem Wachstumssektor [darstellen] und den Weg zu dessen vollen Entfaltung zu ebnen“.

Der BDI sieht große Chancen zum Geldverdienen in der Gesundheitswirtschaft. Positiver Nebeneffekt: Auch Patienten sollen langfristig profitieren. (Foto: flickr/Calamity Meg)

Der BDI sieht große Chancen zum Geldverdienen in der Gesundheitswirtschaft. Positiver Nebeneffekt: Auch Patienten sollen langfristig profitieren. (Foto: flickr/Calamity Meg)

Beteiligt sind an der Aktion sind unter anderem Bayer, GlaxoSmithKline, Merck, Roche, Siemens, der Verband Forschender Arzneimittelhersteller und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie.

Die Initiative hält das deutsche Gesundheitswesen momentan für „zu träge und zu wenig innovativ“. Allein wenn Deutschland „rechtlich-administrative Restriktionen“ abschaffe und an ihre Stelle den Dreiklang von „Entbürokratisierung, Deregulierung und Liberalisierung der Gesundheitsmärkte“ herbeiführe, dann könne „die Gesundheitswirtschaft sich zum Wohle von Patienten, Bürgern und Gesellschaft entwickeln“, sagt Dieter Schweer, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung. Die Reihenfolge ist allerdings eine andere, denn schließlich steht im Zentrum der Arbeit des BDI-Ausschusses Plischke zufolge „die Wachstumschancen der Gesundheitswirtschaft“.

Immerhin gehöre sie zu den „Wachstumstreibern der deutschen Volkswirtschaft“ und mache über elf Prozent des BIP aus. Ein prognostiziertes Wachstum von jährlichen 3,3 Prozent bis 2020 sei auch drin. Fast fünf Millionen Beschäftigte sind in den rund 230.000 Unternehmen des Gesundheitssektors tätig. Man rechnet beim BDI damit, dass die Bruttowertschöpfung bis 2030 kontinuierlich steigen wird, auf knapp 360 Milliarden Euro im Export, 320 Milliarden Euro im „Zweiten Gesundheitsmarkt“ (privat finanziert) und fast 300 Milliarden Euro im „Ersten Gesundheitsmarkt“ (GKV und PKV).

Die Strategie der BDI-Initiative zielt daraufhin ab, in Deutschland ein „innovationstreibendes, dynamisches und solidarisches Gesundheitssystem […] unter marktwirtschaftlich organisierten Rahmenbedingen“ zu errichten. Dazu sollen wie üblich „mehr Wettbewerb“ und „Eigenverantwortung“ beitragen. Da das Ganze natürlich nicht völlig ohne Reibungen ablaufen kann, schlägt der BDI vor, die Rahmenbedingen des Marktes „sozial [abzufedern]“. So würde es zu einer „langfristigen Sicherstellung der bestmöglichen medizinischen Versorgung der Menschen“ kommen.

Auch Wolfgang Plischke hat bei seiner Arbeit den Menschen durchaus im Blick: „Ein wichtiges Ziel ist die Entwicklung einer branchenübergreifenden Perspektive für alle im Gesundheitssektor tätigen Unternehmen. Dabei ist unser Leitbild eine hochwertige Gesundheitsversorgung in einem sozial flankierten, wettbewerblich organisierten Gesundheitssystem.“

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