Allergien

Ambrosia sorgt für Mehrausgaben für Allergie-Patienten

Die hochallergene nordamerikanische Pflanze Beifuß-Ambrosie breitet sich zunehmend in Europa aus. Eine Studie zeigt, dass dies bis zu einer Milliarde Euro Mehrausgaben verursachen könnte. Die Patienten würden sich an einer Beseitigung der Pflanze finanziell beteiligen.

Die nordamerikanische Beifuß-Ambrosie breitet sich zunehmend in Europa aus – und ist hochallergen. LMU-Forscher haben nun zu einer Studie beigetragen, die zeigt, dass dies Kosten von bis zu einer Milliarde Euro im Jahr verursachen könnte.

Heuschnupfen tritt vor allem zwischen März und Juli auf, wenn in Deutschland die meisten Bäume und Gräser blühen. Mittlerweile aber leiden viele Patienten unter einer deutlich längeren Allergiesaison. Verantwortlich dafür ist die ursprünglich aus Nordamerika stammende Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), die sich nun auch in Deutschland und Europa ausbreitet, wo sie von August bis Oktober blüht. Weil der Pollen der Pflanze stark allergen ist, kann es bei den Allergikern zu massiven Beschwerden kommen.

Die Beifiuß-Ambrosie breitet sich zusehends auch in Europa aus und sorgt für höhere Ausgaben bei Krankenkassen und Patienten. (Foto: flickr/gmayfield10)

Die Beifiuß-Ambrosie breitet sich zusehends auch in Europa aus und sorgt für höhere Ausgaben bei Krankenkassen und Patienten. (Foto: flickr/gmayfield10)

Nach Schätzungen leidet bereits jeder fünfte Deutsche unter Heuschnupfen. Noch ist unklar, wie viele von ihnen durch Ambrosia-Pollen beeinträchtigt werden. In Ungarn aber etwa tritt die Pflanze in manchen Regionen bereits flächendeckend auf, wobei nach Schätzungen bereits die Hälfte der Heuschnupfen-Patienten gegen die Allergene sensibilisiert ist und bei Kontakt mit den Pollen erkrankt. Entsprechend könnten in Deutschland – bei einer weiteren Ausbreitung der Pflanze – bis zu zehn Prozent der Bevölkerung erkranken.

„Es ist wichtig, die Kosten der Ambrosia-Allergien abzuschätzen, weil sie in Relation gesehen werden müssen zu den Kosten, die eine Eindämmung der Pflanze verursacht“, sagt die Umweltökonomin Dr. Wanda Born, die die Analyse am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig geleitet hat, mittlerweile aber an einem anderen Institut tätig ist. Für die Studie wurden am AllergieZentrum der LMU-Patienten befragt, die an einer Pollenallergie leiden und nachweislich gegen Ambrosia sensibilisiert sind.

Die Betroffenen wurden für die Studie stichprobenartig befragt. Dabei zeigte sich, dass die Mehrzahl der Patienten – die wegen der Allergie die Universitätsklinik aufsuchten – wegen dieser Erkrankung im Schnitt fünfmal im Jahr einen Arzt aufsuchen muss. Ein Drittel der Befragten wird jährlich rund fünf Tage stationär behandelt, und ein Fünftel ist im Schnitt zwei Wochen pro Jahr arbeitsunfähig. Die Erkrankung belastet neben den Krankenversicherungen aber auch die Patienten, die im Schnitt mehr als 200 Euro pro Jahr ausgeben, etwa für Pollenfilter.

„Wie stark die Lebensqualität der Patienten leidet, zeigt sich auch daran, dass mehr als ein Drittel von ihnen eine Bekämpfung der Beifuß-Ambrosie finanziell unterstützen würde“, betont die LMU-Medizinerin Professor Franziska Ruëff. Dazu kommt, dass fast die Hälfte der Betroffenen während der Pollenflug-Saison selbst bei einfachen körperlichen Tätigkeiten eingeschränkt ist. Eine belastbare Kostenschätzung würde umfangreiche Untersuchungen zum Vorkommen der Pflanze und zu ihrer Ausbreitung voraussetzen.

Eine Hochrechnung der Daten zeigt aber jetzt schon, dass die Behandlungskosten bei Pollenallergikern um 10 bis 25 Prozent ansteigen könnten – was jährliche Mehrkosten von etwa 1.300 bis 2.100 Euro pro Patient bedeuten würde. „Es ist fast unmöglich, die Kosten zu berechnen, die auf ein spezifisches Allergen zurückzuführen sind“, sagt der UFZ-Forscher Oliver Gebhardt. „Dennoch zeigt die Studie, welche Dimension das Problem bekommen kann – vor allem weil die Ambrosie so spät blüht und vom Klimawandel in der Ausbreitung begünstigt wird.

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