Zahn- und Herzmedizin

Parodontose-Behandlung bei Herzfehler gefährlich

Zahnärzte müssen im Zuge einer Parodontose-Behandlung auf das sogenannte grampositive Bakterium achten, das bei einer Vermehrung zur tödlichen Entzündung „Endokarditis“ führen kann. Ein Patientenausweis soll Hochrisikopatienten vor möglichen Gefahren schützen.

Wer einen Herzfehler hat, der sollte bei der Parondontose-Behandlung beim Zahnarzt Vorsicht walten lassen: Eine lebensbedrohliche Endokarditis kann die Folge sein.

Auf diese schon länger bekannte Tatsache hat Prof. Dr. Cornelia Piper, stellvertretende Direktorin der Kardiologischen Klinik im Herz- und Diabeteszentrum NRW, auf dem Europäischen Kardiologen-Kongress in München noch einmal aufmerksam gemacht. Wie eine von ihr verfasste Studie zeigt, haben die neuen Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) nicht dazu beigetragen, „die Achtsamkeit der Zahnmediziner insbesondere gegenüber Vorsorgemöglichkeiten zu einer lebensbedrohlichen entzündlichen Herzerkrankung (Endokarditis) zu erhöhen“.

Die Behandlung von Parodontose ist eigentlich eine Routineangelegenheit. Doch für Menschen mit Herzfehlern kann sie unter Umständen lebensbedrohlich werden. (Foto: flickr/Dr Parveen Chopra)

Die Behandlung von Parodontose ist eigentlich eine Routineangelegenheit. Doch für Menschen mit Herzfehlern kann sie unter Umständen lebensbedrohlich werden. (Foto: flickr/Dr Parveen Chopra)

Im Zuge einer Parodontose-Behandlung können sogenannte grampositive Bakterien, die sich in den Zahnfleischtaschen befinden, in die Blutbahn gelangen. Diese Bakterien setzen sich bevorzugt an Herzklappen fest und vermehren sich dort. Die Folge ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, die die Herzhöhlen und den herznahen Teil der Arterien und Venen sowie die Herzklappen überzieht. Diese „Endokarditis“ genannte Entzündung verläuft ohne Behandlung stets tödlich.

Bei herzgesunden Menschen aber ist das Risiko einer Erkrankung gering, zudem kann sie mit Antibiotika erfolgreich behandelt werden. Bei Personen mit angeborenen oder erworbenen Herzfehlern (etwa nach einem Herzklappenersatz) jedoch besteht eine wesentlich höhere Gefahr, dass es zu einer Infektion kommt. Die Leitlinien der DGK empfehlen daher den sogenannten Hochrisikopatienten, sich vor einem zahnärztlichen Eingriff einer Antibiotika-Therapie zu unterziehen.

„Eine Stunde vor der Parodontose-Behandlung eingenommen, bewirkt das Antibiotikum, dass sich die Bakterien allenfalls noch in geringen Mengen an den Herzklappen ansiedeln können“, erläutert Piper. So könne das Risiko einer Endokarditis deutlich gesenkt werden. Vor 2007 war diese Endokarditis-Prophylaxe auch Patienten mit einem vergleichsweise geringen Erkrankungsrisiko empfohlen worden. Cornelia Piper hat für ihre Studie nun untersucht, inwieweit die neue Leitlinie sich auf die Prophylaxemaßnahmen ausgewirkt hat. Ihr Fazit: „Das Kind wurde sozusagen mit dem Bade ausgeschüttet.“ Durch die Einschränkung der Empfehlung einer vorsorgenden Antibiotikatherapie auf Hochrisikopatienten habe dazu geführt, dass Zahnärzte insgesamt weniger Therapien selbst an hochgefährdeten Patienten durchführen.

Schon 2003 konnte Piper in einer anderen Studie zeigen, dass es Schwierigkeiten bei der Umsetzung von DGK-Empfehlungen in Bezug auf zahnmedizinische Maßnahmen gibt. Abhilfe solle ein Ausweis schaffen: „Es hat sich gezeigt, dass der sicherste Weg für unsere Patienten der sogenannte Patientenausweis darstellt, der mit den entsprechenden Leitlinien versehen dem jeweils behandelnden Arzt vorgelegt werden sollte“, so Piper.

Eine weitere Frage, die sich ihr nun stellt, sei, ob nicht auch Patienten mit einem „moderaten“ Risiko eine Endokarditis-Prophylaxe mit Antibiotika ans Herz gelegt werden soll. „Hier fehlen aktuell noch belastbare Daten“, sagt Piper.

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