Europa

Kampf gegen Krebs kostet Europa 120 Milliarden Euro jährlich

Krebs verursacht in der Europäischen Union (EU) jährlich mehr als 124 Milliarden Euro Kosten, wie neue Forschungsergebnisse zeigen. Volkswirtschaftliche Belastungen nehmen dabei fast zwei Drittel der Gesamtkosten ein. In Deutschland wird im EU-Vergleich pro Kopf das meiste Geld im Gesundheitswesen ausgegeben.

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweite Haupt-Todesursache in Europa. Jedes Jahr sterben in Europa 1,7 Millionen Menschen an Krebs und mehr als 1,2 Millionen in der EU. Eine am 1. Oktober auf dem ESMO-Krebskongress 2012 (European Society for Medical Oncology) in Wien vorgestellte Studie versucht nun erstmals, auch die wirtschaftlichen Belastungen der Krankheit in allen 27 Mitgliedsstaaten der EU (bezogen auf den Stand 2009) zu beziffern. Die Ergebnisse zeigen, dass Brustkrebs mit 13 Prozent der gesamten krebsbezogenen Gesundheitsausgaben beziehungsweise sechs Milliarden Euro pro Jahr für die größten Kosten im Gesundheitswesen verantwortlich ist. Was jedoch die höchsten Gesamtausgaben betrifft, steht Lungenkrebs mit 19 Milliarden Euro an der Spitze. Von dieser Summe sind zehn Milliarden Euro durch eine vorzeitige Sterblichkeit bedingt.

BU: Die Kosten der Krebsbehandlung pro Kopf. (Grafik: ESMO.com)

BU: Die Kosten der Krebsbehandlung pro Kopf. (Grafik: ESMO.com)

Die Studie, welche auf Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie den nationalen Gesundheitsministerien aufbaut, beinhaltet die Betrachtung sowohl direkter Kosten, die für Arzneimittel und Klinikaufenthalte anfallen, als auch die Einbeziehung indirekter Belastungen. Unter letztere fallen Produktivitätsverluste, zum Beispiel durch krankheitsbedingte Ausfälle und vorzeitige Sterblichkeit. Auch Kosten, die entstehen, weil Angehörige oder Bekannte Krebspatienten versorgen und somit keiner geregelten bezahlten Beschäftigung nachgehen können, zählen dazu.

Geschätzt wird laut der Erhebung, dass direkte Kosten mit 36 Prozent nur ungefähr ein Drittel der Gesamtkosten einnehmen. Volkswirtschaftliche Belastungen dagegen machen den Hauptbestandteil aus: Gleichfalls 36 Prozent entstehen durch Gehaltsausfälle wegen vorzeitiger Mortalität, acht Prozent Einkommensverlust durch Krankheit sowie 20 Prozent Kosten durch unbezahlte Pflege.

Einer der leitenden Wissenschaftler der Studie, Dr. Ramon Luengo-Fernandez von der Universität Oxford in England, erklärte in Wien: „Krebs stellt eine enorme ökonomische Belastung nicht nur für die Gesundheitssysteme dar, sondern auch für andere Bereiche der Volkswirtschaft in Form von Produktivitätsausfällen, früher Sterblichkeit und Arbeitsunfähigkeit, aber auch durch Angehörige und Freunde, die Krebskranke informell pflegen und deshalb ihre Arbeit und Freizeitaktivitäten dieser Pflege unterordnen müssen“. Weiter führte er aus: „Ich nehme an, dass die Gesundheitssysteme ganz gut über die medizinischen Kosten für die Bereitstellung der Krebsbehandlung für ihre Patienten Bescheid wissen. Weniger weiß man jedoch über die mit Krebs verbundenen Produktivitätsverluste und die Kosten der informellen Pflege sowie deren Größenordnungen.“

Wie die Studie des Weiteren verdeutlicht, rangiert Deutschland in der Liste der Kosten, die pro Kopf im Gesundheitswesen jährlich verteilt werden, mit etwa 165 Euro ganz oben in der Liste. Dahinter folgen weitere nord- und mitteleuropäischen Länder. Das wenigste Geld pro Kopf gibt mit 32 Euro pro Jahr Litauen aus. Ähnlich geringe Ausgaben verzeichnen laut Luengo-Fernandez die 2004 der EU beigetreten Staaten Estland, Lettland, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Malta und Zypern.

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