Analyse

BKK-Verwaltungsrat fordert Abschaffung des Gesundheitsfonds

Der Verwaltungsratschef der gesetzlichen Krankenversicherung BKK vor Ort, Klaus-Peter Hennig, fordert die Abschaffung des Gesundheitsfonds. Er erklärt Krankenversicherungen wie die Techniker Krankenkasse, die über jüngere Patienten verfügen, zu Gewinnern des Systems.

In einem Interview mit der „Westfälischen Rundschau“ forderte Henning, dass jede gesetzliche Krankenversicherung wieder selbst entscheiden können müsse, wie hoch sie ihre Mitgliedsbeiträge veranschlagt. Eine Rückkehr zur Beitragsautonomie der Kassen sei notwendig. Der Gesundheitsfonds war 2009 unter anderem deswegen ins Leben gerufen worden, damit gesetzlich Versicherte die gleichen Beiträge in einzahlen. Vor der Einführung des Gesundheitsfonds gab es sehr differierende Beitragsabschläge.

Konkret wies Hennig auf den sogenannten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich hin, das heißt einen kranheitsspezifischen Pauschalbetrag für die Kassen, der auch einen Zusatzbeitrag für ausgewählte 80 vor allem chronische Krankheiten enthält. Laut Hennig sind die realen Ausgaben für einen sterbenskranken Patienten jedoch höher als der zur Verfügung stehende Betrag aus dem Gesundheitsfonds. Krankenkassen mit vielen älteren und todkranken Mitgliedern seien seit 2009 demnach schlechter gestellt als solche mit jüngeren. Als Beispiel einer davon profitierenden Krankenversicherung nannte Hennig die Techniker Krankenkasse (TK).

Dort sieht man das anders: Von der Systemumstellung hätten „vor allem Kassen profitiert, deren Klientel zumindest auf dem Papier möglichst krank erscheint“, erklärt Dorothee Meusch, Pressesprecherin der Techniker Krankenkasse, auf Nachfrage den Deutschen Gesundheits Nachrichten: „Das schafft aus Sicht der TK völlig falsche Anreize, weil es darum gehen muss in die Gesundheit der Versicherten zu investieren – und nicht in die Dokumentation von Krankheit.“ Jetzt, so könnte man hinzufügen, sind die Krankenkassen indirekt dazu aufgefordert, ihre Versicherten gesund zu halten und Krankheiten mit verschiedenen Präventions-Maßnahmen vorzubeugen.

Eine Gemeinsamkeit ist dabei festzustellen: Wie die BKK vor Ort kann auch die TK dem Gesundheitsfonds bis heute wenig abgewinnen – ohne jedoch zu viel Energie in dessen Abschaffung zu investieren.

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