Transparenz

Pharmaunternehmen wollen Zuwendungen an Mediziner offenlegen

Die großen Pharmahersteller wollen die Höhe ihrer Zahlungen an Ärzte und Forscher preisgeben. Obwohl man meinen könnte, dieser Schritt zu mehr Transparenz würde allgemein begrüßt, ist beispielsweise Transparency International eher skeptisch.

Künftig muss jedes Unternehmen, das Arzneimittel an das öffentliche Gesundheitssystem liefert, Informationen zu den geleisteten Zahlungen und vergebenen Geschenken veröffentlichen. Dies sieht ein Vorschlag des europäischen Arzneihersteller-Verbandes Efpia vor. Zu diesem Verband zählen alle großen forschenden Pharmafirmen wie Bayer, Boehringer Ingelheim, GlaxoSmithKline, Merck, Novartis, Pfizer, Roche und Sanofi-Aventis.

Stefan Oschmann, Vizepräsident des Efpia hat im Interview mit dem „Tagesspiegel“ jedoch indirekt bereits zugegeben, dass es sich bei der Aktion vor allem um das Bemühen einer Image-Korrektur handele. Es gehe vor allem darum, „Vertrauen zu festigen“. Transparenz sei ein „wichtiges Element zur Stärkung der Reputation der pharmazeutischen Industrie“,  betonte Oschmann.

BU: Stefan Oschmann, Vertreter der Pharmaindustrie, sieht in der angekündigten Verbesserung der Transparenz, eine Möglichkeit das Vertrauen in die Pharmabranche zu festigen. (Foto: wikimedia/Armin Kübelbeck)

BU: Stefan Oschmann, Vertreter der Pharmaindustrie, sieht in der angekündigten Verbesserung der Transparenz, eine Möglichkeit das Vertrauen in die Pharmabranche zu festigen. (Foto: wikimedia/Armin Kübelbeck)

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, sagte, er sei „sehr dafür, dass man endlich aufhört mit der Geheimniskrämerei“. Auch für den Außenstehenden stellt sich die Offenlegung von Finanzmitteln als ein löbliches Unterfangen dar. Dennoch regt sich Widerstand, etwa bei der Gruppe Transparency International.

So gibt Dr. Wolfgang Wodarg, Vorstandsmitglied von Transparency Deutschland, gegenüber den Deutschen Gesundheits Nachrichten zu bedenken, dass der Hintergedanke solcher Maßnahmen sein könnte, besänftigend auf Politiker einzuwirken und diese davon abzubringen, den Pharma-Konzernen gesetzliche Vorschriften aufzuerlegen. Wodarg: „Zumeist werden solche Aktivitäten entwickelt, um ordnungspolitischen Initiativen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wie wir bei den Anwendungsbeobachtungen (AWB/NIS) sehen können, bringen solche Eigen-Kontrollen nur unvollständige ,Vorzeigetransparenz‘ und ersetzen keinesfalls ein obligates und sanktionsbewehrtes Meldesystem und Verbote bestimmter Marketing-Praktiken.“

Des Weiteren kritisiert Transparency International, dass nun die Gefahr bestehe, Bestechungsgelder würden „versteckter“ fließen. Wodarg: „Der von der Pharmaindustrie genutzte Sachverstand zwischengeschalteter spezialisierter Dienstleister, die den Kontakt mit bestimmten ,Kundensegmenten‘ aufbauen und pflegen führt zu einer Vielfalt wirtschaftlich begünstigender Einflussnahme auf medizinische Entscheidungen und auf Entscheidungsstrukturen.“

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