Impfung

Impfstoffe: Apotheker machen Novartis für Engpass verantwortlich

Nachdem in Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg der Grippe-Impfstoff knapp geworden ist, sind die Apothekerverbände der betroffenen Bundesländer verärgert. Sie machen den Pharmakonzern Novartis dafür verantwortlich. Gleichzeitig wird eine zu späte Reaktion auf den absehbaren Notstand bemängelt.

Der Pharmakonzern Novartis ist offenbar mit seinen Lieferungen des Grippeimpfstoffs Begripal in den Bundesländern Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg in Rückstand geraten. Als Ausschreibungsgewinner hätte er den Impfstoff für den empfohlenen Impfzeitraum September bis November liefern sollen, wie Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbandes Schleswig-Holstein, gegenüber den Deutschen Gesundheits Nachrichten erklärt: „Nach Eingeständnis der Firma Novartis Vaccinces steht der Impfstoff aber nicht vor Ende November zur Verfügung. Welche nachvollziehbaren Gründe dies hat, hat Novartis Vaccinces nicht dargelegt.“, so Friedrich.

Bei der Versorgung für die Grippeimpfung in drei deutschen Bundesländern sind Versorgungsschwierigkeiten aufgetreten. (Foto: Flickr/rosmary)

Bei der Versorgung für die Grippeimpfung in drei deutschen Bundesländern sind Versorgungsschwierigkeiten aufgetreten. (Foto: Flickr/rosmary)

Zu dem gleichen Ergebnis kommt auf Nachfrage auch Hans-Peter Hubmann, 1. Vorsitzender des BAV Bayerischer Apothekerverband e.V.: „Im September zeichnete sich ab, dass es zu Lieferschwierigkeiten kommen würde. Zuerst sollte der Impfstoff bis spätestens in Kalenderwoche 45 in vollem Umfang zur Verfügung stehen. Auch dieser Termin konnte nicht eingehalten werden. Nach eigenen Angaben kann Novartis Vaccines nicht vor der Kalenderwoche 48, eventuell auch erst Kalenderwoche 49 liefern. Die Gründe für diese Verzögerung sind uns nicht bekannt.“

Friedrich ist skeptisch, ob es in diesem Streit schnell zu einer Lösung kommen kann: „Generell zeigt sich, eine missglückte Ausschreibung kann nicht geheilt werden.“ Gleichzeitig kritisiert er, dass zu spät auf den absehbaren Versorgungsengpass reagiert worden sei. Die Kassenärztlichen Vereinigungen und Landesapothekerverbände hätten bereits „mit Bekanntwerden der Lieferprobleme seit Mitte September gegenüber den zuständigen Krankenkassen mit Nachdruck gefordert“, dass „konzertierte Maßnahmen zur Begrenzung des Schadens“ eingeleitet würden. Doch passiert sei erst einmal nichts.

Friedrich: „Leider erfolgte erst am 11. Oktober das, was wir als Sofortmaßnahme von Anfang an vorgeschlagen haben: Die Freigabe aller verfügbaren Grippeimpfstoffe für die Versorgung der Bevölkerung in Hamburg und Schleswig-Holstein.“ Das Problem dabei: „Zu diesem späten Zeitpunkt stehen nur noch sehr wenige Grippeimpfstoffe anderer Hersteller zur Verfügung. Insofern ist nach wie vor Novartis Vaccines gefordert, endlich seinen vertraglichen Lieferverpflichtungen nachzukommen.“

Eine Ausschreibung zugunsten des günstigsten Anbieters von Impfstoffen scheint nicht die beste Lösung zu sein. Friedrich stellt konsterniert fest: „Das Beispiel zeigt, dass biotechnologisch hergestellte Saisonware für Ausschreibungen aus zwei Gründen grundsätzlich nicht geeignet ist: Erstens besteht das nicht ausschließbare Risiko von Produktionsausfällen, die kurzfristig nicht anderweitig geheilt werden können. Zweitens begeben sich die Krankenkassen in die Abhängigkeit von Konzernen, die sie offenbar nicht beherrschen.“

Ähnlich argumentiert auch Hubmann: „Aus unserer Sicht ist der sicherste Weg, in so sensiblen Bereichen, wie es saisonale Impfstoffe sind, auf Ausschreibungen zu verzichten.“ Am vergangenen Wochenende wurde nun als Konsequenz auf dem Deutschen Apothekertag eine Resolution zu Impfstoff-Ausschreibungen verfasst, welche von den gesetzlichen Krankenkassen verlangt, künftig von Ausschreibungen und Rabattverträgen bezüglich neuer Impfstoffe Abstand zu nehmen.

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