Finanzierung

Deutsches Forschungsunternehmen erhält Kapital aus den USA

Der Pharmakonzern Merck engagiert sich bei AiCuris für dessen entwickelte Substanz Letermovir, das zur Behandlung von schwerstkranken Transplantations-Patienten eingesetzt werden kann. Deutsche Forschungsunternehmen benötigen generell mehr finanzielle Unterstützungen, um ihre Möglichkeiten zu verwirklichen.

Eine „große Anzahl von Firmen“ habe sich für die von AiCuris entwickelte Substanz Letermovir interessiert, erklärt Helga Rübsamen-Schaeff, Geschäftsführerin der Forschungsfirma AiCuris, gegenüber den Deutschen Gesundheits Nachrichten. Letztlich erhielt der US-Pharmakonzern Merck & Co. den Zuschlag für einen Lizenzvertrag. Nach einer ersten Zahlung von 110 Millionen Euro kann AiCuris auf nun weitere etwa 332 Millionen Euro sowie weitere Umsatzbeteiligungen hoffen. Letermovir kann zur Behandlung von schwerstkranken Transplantations-Patienten eingesetzt werden. Das Medikament, das oral verabreicht wird, schützt vor Infektionen durch das menschliche Cytomegalovirus (HCMV).

In den USA und Europa bekam das Medikament sogar den sogenannten Orphan-Drug-Status, der für Therapeutika verliehen wird, die bei Krankheiten eingesetzt werden sollen, für die es bislang noch keine befriedigende Behandlung gibt. Merck & Co. will das Medikament nun in die nächste klinische Phase III begleiten und „evaluieren, welches Potential es für die HCMV Prophylaxe bietet“, so Merck & Co.-Sprecher Ian R. McConnell gegenüber den Deutschen Gesundheits Nachrichten. Dahinter stehe das „ultimative Ziel“, es in der praktischen Klinikarbeit zur Anwendung zu bringen. Neue Arzneimittel müssen stets erst drei klinische Testphasen durchlaufen, ehe sie zugelassen werden.

BU: Deutsche Forschungsunternehmen haben Probleme, das nötige Kapital für Entwicklungsprojekte aufzutreiben. (Foto: Merck)

Deutsche Forschungsunternehmen haben Probleme, das nötige Kapital für Entwicklungsprojekte aufzutreiben. (Foto: Merck)

Die Kooperation kann in Deutschland, wo das Finden von Risikokapitalgebern für die Finanzierung von Forschungsprojekten eher schwierig ist, durchaus als achtbarer Erfolg gewertet werden. Auf Nachfrage der Deutschen Gesundheits Nachrichten, wie es gelungen sei, den weltweit viertgrößten Arzneimittelhersteller zu gewinnen, erklärt die AiCuris-Chefin: „Ich glaube, dass die Daten, die wir mit unserem Projekt generiert haben und die wir auf wissenschaftlichen Kongressen vorgestellt haben, für sich sprachen. Wir hatten hinsichtlich der Wirksamkeit alle primären Endpunkte der Studie erreicht und auch die Sicherheit der  Substanz sah sehr gut aus. Als Konsequenz kann man erwarten, dass die Substanz einen wesentlichen Unterschied bei der Behandlung von schwerstkranken Transplantations-Patienten macht.“

Zudem stellt Rübsamen-Schaeff den Forschungsstandort Deutschland heraus. Sie ist überzeugt davon: „Es gibt sehr viele innovative Firmen auf unserem Gebiet in Deutschland und wir haben eine starke Forschungslandschaft!“ Dass die mangelhafte Finanzierung aussichtsreicher Forschungsprojekte dazu in keinem guten Verhältnis steht, weiß auch sie. Damit sich dies auf lange Sicht nicht innovationshemmend auswirkt, lautet ihr eindringlicher Appell: „In der Tat sind die Geldmittel in Deutschland knapp und es wäre zu wünschen, dass einerseits öffentliche Gelder auch für spätere (teure) Phasen der klinischen Entwicklung für kleine Firmen bereitgestellt werden und dass andererseits die steuerlichen Bedingungen für diese Firmen, aber auch für die Kapitalgeber verbessert werden.“

Bisweilen sei eine Firma einfach überfordert, „wenn sie sich, statt sich um die Projekte zu kümmern, ständig um Geld kümmern muss“. Deshalb rät die erfahrene Wissenschaftlerin: „Zumindest, wenn man an Medikamenten arbeitet, braucht man einen langen Atem. Vom Beginn der Prüfung am Menschen bis zum Markt können leicht zehn oder mehr Jahre vergehen. Wenn eine Firma dafür eine zu kurzfristige und nicht ausreichende Finanzierung hat, kann es gefährlich werden und die Firmen sollten den langen Weg nur beginnen, wenn die Finanzierung für einen längeren Zeitraum steht.“

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