Gesundheitssystem

AOK: Versicherungen werden für Rentner zu teuer

Laut einer aktuellen Studie der AOK können sich immer weniger Rentner ihre private Krankenversicherung leisten. Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), plädiert deshalb für ein einheitliches Krankenversicherungssystem für alle Bürger.

Wie die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK mit jeweils 1.000 zufällig ausgewählten Personen aus der privaten (PKV) und gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zeigen, hat sich sowohl in 2011 als auch in 2012 fast jeder zweite privatversicherte Rentner entweder mit einer höheren Selbstbeteiligung an den Behandlungskosten abgefunden oder aber er wählte einen neuen Tarif, in dem er weniger Leistungen erhält. 40,5 Prozent der Rentner ohne Beihilfeansprüche erhöhten demnach ihre Selbstbeteiligung oder verringerten zu 24,1 Prozent ihre Leistungen. 16,5 Prozent der Rentner taten beides zugleich.

Als Grund gibt AOK-Institutschef Jacobs gegenüber den Deutschen Gesundheits Nachrichten an: „Zum einen sind die Krankenversicherungsprämien zum Teil kräftig gestiegen, und zum anderen haben manche Rentner ein deutlich geringeres Einkommen gegenüber ihrem vorherigen Erwerbseinkommen.“

Eine Studie zeigt: Deutschen Rentnern werden ihre Krankenversicherungen zu teuer. (Foto: Flickr/Photocapy)

Eine Studie zeigt: Deutschen Rentnern werden ihre Krankenversicherungen zu teuer. (Foto: Flickr/Photocapy)

Das Argument vieler Kritiker, dass es sich hier um „Jammern auf hohem Niveau“ handele, findet Jacobs „zum Teil sicher zutreffend“, ergreift aber dennoch auch Partei für die Rentner: „Wenn sich jemand mit vielleicht 30 Jahren jung – gesund und einkommensstark und womöglich noch durch besonders aggressives Marketing geködert – für die PKV entscheidet, aber 30, 40, 50 Jahre später – alt, krank und vielleicht gar nicht mehr einkommensstark – die Prämien für einen umfassenden Versicherungsschutz nicht mehr bezahlen kann, kann man wohl kaum einfach sagen: Pech gehabt, selber schuld!“ Diesbezüglich gebe es „eine Mitverantwortung der Gesellschaft, die das PKV-Geschäftsmodell ja schließlich erlaubt“.

Außerdem müsse erwähnt werden, dass „die größte Teilgruppe der Privatversicherten, nämlich die Beamten und ihre beihilfeberechtigten Angehörigen, sich gar nicht freiwillig für die PKV entscheidet, sondern faktisch dazu gezwungen ist, weil für sie in der GKV kein Arbeitgeberbeitrag bezahlt würde“.

Jacobs plädiert deshalb für einen Zusammenschluss von GKV und PKV. Er betont, dass in seiner Vorstellung „in jedem Fall ein einheitliches Versicherungssystem gerechter wäre“. Auch der unter dem Namen „Die fünf Wirtschaftsweisen“ bekannte Sachverständigenrat zur Beurteilung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung habe immer wieder hervorgehoben, ein einheitliches Versicherungssystem sei „sehr viel besser für sinnvollen Wettbewerb zwischen den Krankenversicherungen geeignet als der heutige segmentierte Krankenversicherungsmarkt“ , der zwischen GKV und PKV aufgeteilt wird.

Vorbild dafür, dass dies durchaus funktioniert, sei die Niederlande, wo man einen solchen Schritt bereits 2006 vollzogen habe. Auch in Deutschland, derzeit das einzige Land in Europa mit zwei unterschiedlichen Versicherungssystemen gleichzeitig, stünde laut Umfrage immerhin „die Mehrheit der Bevölkerung – einschließlich vieler PKV-Versicherter – der Schaffung eines einheitlichen Krankenversicherungssystems aufgeschlossen gegenüber.“ Laut Studie sind dies mit 34,8 Prozent jeder dritte PKV-Versicherte und mit 49,4 Prozent jeder zweite privatversicherte Rentner.

Wenig überraschend, dass sich die PKV mit einer ablehnenden Haltung zur AOK-Studie zu Wort meldete: „Umfragen der großen deutschen Demoskopie-Institute im Auftrag verschiedener Institutionen kommen seit vielen Jahren immer wieder zu dem Ergebnis, dass Privatversicherte deutlich zufriedener sind als gesetzlich Versicherte. Dass die AOK nun teilweise abweichende Umfragedaten zur PKV verbreitet, muss bei einer Studie im Auftrag eines System-Wettbewerbers nicht erstaunen. Die dort behaupteten Zahlen angeblicher Tarifwechsel und geänderter Selbstbeteiligungen passen bei weitem nicht zur Realität in der konkreten Kundenbetreuung der privaten Versicherungsunternehmen. Das wirft Fragen nach der Konzeption und Aussagefähigkeit der AOK-Umfrage auf“, heißt es in einer von Pressesprecher Stefan Reker herausgegebenen Mitteilung.

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  1. Die PKV Beiträge in den Unisextarifen werden teurer als nötig:

    Günstigere PKV Unisexbeiträge für Frauen würden einen Massentarifwechsel in die neuen Unisextarife der privaten Krankenversicherer zur Folge haben. Ein solches Szenario versuchen die privaten Krankenversicherer auf jeden Fall zu verhindern, da auch ältere und gesundheitlich vorbelastete privat versicherte Frauen mit hohem Leistungsaufkommen ohne erneute Gesundheitsprüfung in die PKV Unisextarife hätten wechseln können.
    Dieser so genannte PKV-Tarifwechsel, ist durch den §204 VVG (Versicherungsvertragsgesetz) allen Privatversicherten möglich.
    Die Lösung dieses Problems ist für die privaten Krankenversicherer relativ einfach: Der wirtschaftliche Anreiz zu einem solchen Tarifwechsel muss entfallen. Die PKV Beiträge in den Unisextarifen werden einfach auf das derzeitige Beitragsniveauiveau der Frauen erhöht.

    In einem öffentlichen Fachgespräch im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages wurde seitens des PKV Verbandes die meines Erachtens abenteuerlichen “offiziellen” Begründungen für die höheren Unisexbeiträge in der privaten Krankenversicherung dargelegt. Demnach müssten Sicherheitszuschläge aufgrund der unsicheren Kalkulationsgrundlage in die Erstbeiträge der Unisextarife in der privaten Krankenversicherung einbezogen werden. In dieser Frage sind sich dann wohl auch alle PKV Versicherer aus Eigeninteresse einig. Somit wird wohl die Überraschung bei der Bekanntgabe der Unisexbeiträge der privaten Krankenversicherer groß sein.