Medizintechnik

Schlaganfall: Moderne Katheter senken Sterberate deutlich

Neue Spezialkatheter ermöglichen eine effektivere Behandlung großer Blutgerinnsel: Bei Schlaganfallpatienten konnte die Durchblutung mehr als doppelt so häufig wiederhergestellt werden. Ebenso konnte das Risiko, dass Patienten einen Schlaganfall erleiden, deutlich gesenkt werden.

Wie aktuelle Studien zeigen, hat eine neue Generation dieser Thrombektomieysteme („Clot Retriever“) die Erfolgsrate dieses Eingriffs verbessert und die Sterberate halbiert.
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) rechnen damit, dass die Katheterbehandlung künftig häufiger zum Einsatz kommen wird.

Etwa neun von zehn Schlaganfällen werden von Blutgerinnseln verursacht, die die Blutgefäße verstopfen und die Blutversorgung zu den entsprechenden Hirnarealen abbrechen. „Häufig handelt es sich um Blutgerinnsel, die nicht in den Hirnarterien selbst entstehen, sondern sich in der Hauptschlagader, den Halsgefäßen oder im Herz gebildet haben und dann in die Hirnarterie gespült werden“, erläutert DSG-Sprecher Professor Dr. med. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung an der Asklepios Klinik Altona in Hamburg.

Für die Beseitigung großer Blutgerinnsel reichen herkömmliche Katheter oft nicht aus. (Foto: wikimedia/Privatarchiv Foto von MrArifnajafov)

Für die Beseitigung großer Blutgerinnsel reichen herkömmliche Katheter oft nicht aus. (Foto: wikimedia/Privatarchiv Foto von MrArifnajafov)

„Sind diese Gerinnsel groß, so genügt die herkömmliche gerinnselauflösende Therapie, die Thrombolyse, nicht aus. In diesem Fall kann der Blutpfropfen mit einem Spezialkatheter, der von der Leiste aus über die Halsschlagader vorgeschoben wird, geborgen und vorsichtig über die Leiste nach außen transportieren werden.“

Seit 2004 ist in den USA ein solcher Bergungskatheter, der „Merci-Retriever“, zugelassen. Er wurde auch in Deutschland an einigen Kliniken eingesetzt. „Die Ergebnisse waren jedoch nicht befriedigend“, erläutert Professor Dr. med. Hans-Christoph Diener, DGN-Pressesprecher und Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. „Nur etwa ein Viertel der behandelten Patienten konnte ohne wesentliche Behinderungen nach Hause entlassen werden. Die anderen starben oder mussten später in Pflegeheime verlegt werden.“ Der „Merci-Retriever“ habe sich deshalb niemals so recht durchsetzen können.

Eine neue Generation von „Clot Retrievern“ verspricht jetzt wesentlich bessere Ergebnisse. Wie beim „Merci-Retriever“ schiebt der behandelnde Arzt zunächst einen Führungsdraht über einen Katheter durch das Gerinnsel. Der Unterschied: Beim „Merci-Retriever“ wickelte sich der Draht vor dem Gerinnsel zu einer Spirale auf. „Der Draht zog den Thrombus im Idealfall wie ein Korkenzieher zurück. Allerdings gab es vereinzelt Blutungskomplikationen durch Gefäßwandverletzungen“, erklärt Professor Dr. med. Bernd Eckert, Leiter der Neuroradiologischen Abteilung der Asklepios Klinik Altona und Präsident des Berufsverbands der Deutschen Neuroradiologen.

Bei den neuen „Clot Retrievern“ entfaltet sich dagegen direkt im Gerinnsel ein Maschendrahtröhrchen. Dieser Stent presst sich gegen die Gefäßwand und ergreift auf diese Weise das Gerinnsel in seiner ganzen Länge. Zusammen mit dem Stent zieht der Neuroradiologe den Blutklumpen zurück und saugt das Gerinnsel über den Katheter ab. „Die Blutgerinnsel lassen sich damit wesentlich leichter und komplikationsärmer als Ganzes entfernen als mit dem „Clot Retriever“ der ersten Generation“, fasst Professor Eckert zusammen.

Zwei Hersteller haben einen solchen Stent-Retriever entwickelt und in klinischen Studien getestet. Beide lieferten sehr vielversprechende Ergebnisse. Der „Solitaire-Retriever“ konnte bei Schlaganfallpatienten die Durchblutung mehr als doppelt so häufig wieder herstellen als der „Merci-Retriever“ (83 versus 48 Prozent ): Die Rate der Blutungskomplikationen war mit dem Stent-Retriever deutlich niedriger (2 versus 11 Prozent). Die Sterberate der Patienten halbierte sich auf diese Weise (17 versus 38 Prozent). Die Studie wurde aufgrund dieser positiven Ergebnisse vorzeitig beendet. Auch der „Trevo Pro-Retriever“ war in einer Vergleichsstudie dem „Merci-Retriever“ überlegen. Deutlich mehr Patienten verließen die Klinik ohne wesentliche Behinderungen (40 versus 22 Prozent).

Beide Katheter wurden mittlerweile in den USA und in Europa zugelassen. „Aufgrund der Effektivität und einer niedrigen Komplikationsrate sind sie eine echte Verbesserung“, sagt Professor Röther. Bevor die neuen Kathetersysteme allerdings flächendeckend eingesetzt werden, müssen Vergleichsstudien mit der herkömmlichen systemischen Thrombolyse zeigen, dass sie sicher und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit effektiver sind. Drei randomisierte Studien dieser Art werden in Kürze beginnen. Bis dahin bleibt die Thrombolyse beim Schlaganfall die Therapie der ersten Wahl, und die Katheterlyse bleibt Patienten mit Blutgerinnseln in den großen Hirnarterien vorbehalten.

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