Analyse

Experten warnen vor Schlaganfall-Krise in Europa

Ein aktueller Bericht setzt sich dafür ein, dass mehr für die Vorbeugung von Schlaganfällen unternommen wird. Weil die Bevölkerung weiter altert, nehme das Risiko zu. Bis zum Jahr 2025 sollen die Erkrankungen um 25 Prozent gesenkt werden.

Allein in Europa seien zehn Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen, einer zu selten diagnostizierten und unzureichend therapierten Erkrankung, meldet die Vereinigung Action for Stroke Prevention, eine Allianz von Gesundheitsexperten und Patientenorganisationen. Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, gehe mit einem im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung fünffach erhöhten Schlaganfallrisiko einher.

John Camm, Professor für klinische Kardiologie an der St George`s University in London, Großbritannien, erklärt auf Nachfrage von Deutsche Gesundheits Nachrichten, was mit der Schlaganfall-Krise gemeint ist: „Der Begriff Krise bedeutet, dass wir ein zunehmendes Risiko von Schlaganfall haben und impliziert, dass sich dieses Risiko  trotz der verfügbaren Behandlungsoptionen erhöhen wird.“ Dafür sei zwar konkret niemand zur Verantwortung zu ziehen. Dennoch übt Camm deutliche Kritik daran, dass das Problem bislang nicht ernst genug genommen wird: „Wir sind einfach nicht in der Lage, die nationalen Gesundheitssysteme zu überreden, dieses Problem zu priorisieren.“

Schon 2009 war vor einer Schlaganfall-Krise gewarnt worden. Seitdem hat sich offenbar wenig getan. Camm: „Dieses Risiko ist höher, weil die Bevölkerung weiter altert“. Die Kombination von Herz- und Gefäßsystem betreffenden, kardiovaskulären Erkrankungen und zunehmendem Alter führe zu einer Erhöhung der jährlichen Rate von Schlaganfällen, so Camm. Schlaganfälle durch Vorhofflimmern seien schwerwiegender als solche, denen andere Ursachen zugrunde liegen. Dadurch sinke die Aussicht, dass Betroffene in ihre häusliche Umgebung zurückkehren können.

Auch ein anderes Umfrageergebnis überraschte die Experten, an der sich weltweit mehr als 9.000 Personen aus 20 Ländern beteiligten: Zwar hat mit 31 Prozent fast ein Drittel der Befragten mehr Angst vor einem Schlaganfall als beispielsweise vor einer Herzkrankheit, Diabetes oder erhöhten Cholesterinwerten. Dennoch ist Vorhofflimmern (VHF) überhaupt nur bei 52 Prozent der Europäer bekannt, so die IPSOS MORI-Umfrage. Dabei ist Vorhofflimmern ein schwerwiegender Risikofaktor für Schlaganfall als beispielsweise Bluthochdruck. Die jährlichen Kosten, die auf Schlaganfälle zurückzuführen sind, belaufen sich auf rund 64 Milliarden Euro. Auch deshalb müssten die Anstrengungen verstärkt werden, um deren Zahl zu senken, betonen die Experten von Action for Stroke Prevention.

„Wir müssen dafür Sorge tragen, dass VHF als bedeutender Risikofaktor bei Schlaganfall in nationalen Plänen zur Vorbeugung anerkannt wird und dass in diesen Plänen konkrete Maßnahmen festgelegt werden, die einer frühzeitigen Diagnosestellung und verbesserter Sensibilisierung, Information und Prävention dienen“, so Camm. „Wir hoffen, dass nationale Regierungen dies bei ihren Plänen zum Erreichen des Ziels der Vereinten Nationen, nicht übertragbare Erkrankungen um 25% bis zum Jahr 2025 zu senken, berücksichtigen werden.“

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