Impfung

Novartis: Stopp für Grippe – Impfung reine Vorsichtsmaßnahme

Der Fall um Ausflockungen in Grippeimpfungen hat viel Aufsehen erregt. Novartis stuft den Fall als unbedenklich ein. Wie das Paul-Ehrlich-Institut mitteilt, seien die Impfstoffe nicht verunreinigt gewesen, jedoch können Ausflockungen zu Unverträglichkeitsreaktionen führen.

Ende Oktober wurde in Deutschland die Auslieferung mehrerer Grippe-Impfstoffe des Schweizer Pharmakonzerns Novartis gestoppt. Das Paul-Ehrlich-Institut hatte die Freigabe für die Grippe-Impfstoffe Begripal und Fluad widerrufen. Aber auch in Italien, der Schweiz und Österreich kam es zu Verkaufsstopps. Daraufhin nahm Novartis die Chargen selbst vom Markt.

Novartis legte auf Nachfrage der Deutschen Gesundheits Nachrichten Wert darauf, dass der Rückruf „rein vorsorglich durchgeführt“ worden sei, so Unternehmenssprecher Volker Husslein. Die betroffenen Chargen Begripal und Fluad würden „in allen Parametern der Spezifikation entsprechen“. Bei den gefundenen weißen Partikeln in den Spritzen handele es sich um Eiweißaggregate beziehungsweise Ausflockungen, die jedoch gänzlich ungefährlich seien, so Volker Husslein. „Protein-Aggregate können in Impfstoffen vorkommen und haben keinen negativen Einfluss auf die Produktqualität“, fügte er hinzu. Im Allgemeinen würden sie sich durch Schütteln auflösen, so dass der Impfstoff ohne Bedenken angewendet werden kann. „Bei diesen sichtbaren Protein-Aggregaten handelt es sich weder um Unreinheiten noch um Verunreinigungen“, sagte der Unternehmenssprecher.

Gefährliche Impfstoffe müssen vom Markt genommen werden (Foto: Flickr/blakespot)

Gefährliche Impfstoffe müssen vom Markt genommen werden (Foto: Flickr/blakespot)

Pharmakritiker Wolfgang Becker-Brüser kritisierte die Äußerungen von Novartis. „Die Antwort von Novartis ließe sich als Schutzbehauptung interpretieren“, sagte er den Deutschen Gesundheits Nachrichten. „Das Unternehmen stellt sich als guter Produzent dar, um seinen Ruf zu wahren.“ Becker-Brüser zufolge behaupte Novartis „eine Unbedenklichkeit, die es nicht belegen kann. Es handelt nach dem Motto ’Augen zu und durch’“. Im Gegensatz dazu betreibe das Paul-Ehrlich-Institut vorbeugenden Verbraucherschutz. Denn „die gefundenen Ausflockungen in den Grippe-Impfstoffen enthalten ein mögliches Gefährdungspotential, wie man aus Parallelerfahrungen mit einem anderen Impfstoff weiß“, ergänzte Becker-Brüser. „Dort waren Unverträglichkeiten aufgetreten. Das sind Bedenken, die man ernst nehmen muss“, so der studierte Arzt und Apotheker.

Das Paul-Ehrlich-Institut selbst spricht im Fall der Novartis-Grippe-Impfstoffe von einer „Maßnahme der Risikovorsorge“. Die Impfstoffe seien nicht verunreinigt gewesen. Vielmehr seien „Ausflockungen aus Impfstoffbestandteilen in einer Produktionsvorstufe dieser Chargen aufgefallen“, erklärte das Institut den Deutschen Gesundheits Nachrichten. „Aus der Erfahrung mit einem anderen Impfstoff konnte nicht ausgeschlossen werden, dass diese Ausflockungen zu schweren Unverträglichkeitsreaktionen führen“, hieß es weiter. Mögliche schwere Nebenwirkungen wie allergische oder auch anaphylaktische Reaktionen hätten die Folge sein können. Warum es zu den Ausflockungen überhaupt kommen konnte, ist jedoch noch nicht geklärt, so das Paul-Ehrlich-Institut.

Kritiker vermuten, dass Novartis die Impfstoffe nicht auf Vorrat produzierte, sondern abwartete, ob es von den Apotheken den Zuschlag zur Produktion dieser Impfstoffe erhalten werde. Dies hätte durch den so entstehenden Zeitdruck und eine mögliche Auslagerung in Länder wie China die Ausflockungen begünstigen können. Dem Paul-Ehrlich-Institut zufolge sei dies jedoch nicht möglich. Die Produktion von Grippe-Impfstoffen sei sehr langwierig – mindestens drei Monate – und aufwändig, so dass „es gar nicht möglich ist, erst abzuwarten und dann sozusagen auf Abruf zu produzieren“, so das Institut. Pharmakritiker Becker-Brüser allerdings schränkte ein. Da die Produktion eines Impfstoffs mehrere Wochen dauere, „versuchen Hersteller natürlich, so früh wie möglich herauszubekommen, wie viel Impfstoff sie für die Saison benötigen werden, um dem Bedarf gerecht zu werden“. Die Ausschreibungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern und die anschließenden Lieferschwierigkeiten von Novartis hätten „den Markt jedoch durcheinander gebracht“, gab Becker-Brüser zu bedenken. Denn „dadurch, dass in den drei Ländern die Grippe-Impfstoffe von Novartis nicht rechtzeitig geliefert werden konnten“ und zum Teil sogar zurückgezogen werden mussten, „wurden Impfstoffe aus den restlichen Ländern in diese umgeleitet“, ergänzte Becker-Brüser. „Nun fehlten dort plötzlich Impfstoffe. Dies führte sogar zu Rationierungen.“

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *