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Ohne Praxisgebühr: Ärzteeinnahmen könnten sogar steigen

Die Freude der Ärzteschaft über den Wegfall der Praxisgebühr ist groß, weil viel Aufwand für die Bürokratie wegfällt. Zudem werden die Einnahmen der Ärzte nicht mehr mit den Praxisgebühren verrechnet, die Ärzte erhalten ihr gesamtes Honorar ohne Praxisgebührabzug.

Wie am vergangenen Wochenende vom Koalitionsausschuss beschlossen wurde, soll die Praxisgebühr zum 1. Januar 2013 abgeschafft werden. Einnahmen von jährlich etwa zwei Milliarden Euro fallen dadurch in Zukunft weg. Der Gebührenausfall scheint jedoch kein Problem für Praxen zu sein. Im Gegenteil, sie könnten sogar davon profitieren. Ärzte freuen sich vor allem über weniger Bürokratieaufwand. Scheinbar gibt es überhaupt gar keine Nachteile für die Ärzte, ihre Praxen und ihre Belegschaft. So sieht es jedenfalls Michael Rauscher, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Ärzteverbandes Hartmannbund, der auf Nachfrage der Deutschen Gesundheits Nachrichten sagte: „Unmittelbar für die Ärzte in den Praxen gibt es tatsächlich nur Vorteile, weil der gesamte Verwaltungsaufwand im Zusammenhang mit der Praxisgebühr wegfällt.“ Dies sei nicht nur beim Kassieren der Fall, sondern „auch im Zusammenhang mit der Prüfung der Befreiungstatbestände und der Mahnverfahren und nicht zuletzt in zum Teil langwierigen Auseinandersetzungen mit Patienten“.

Gleiches treffe konkret auch auf die Einnahmen der Ärzte zu, da, „anders als öfters kolportiert, die Einnahmen aus der Praxisgebühr nicht dem Ärztehonorar zugeschlagen, sondern mit diesem lediglich verrechnet werden“. Man könne demnach gewissermaßen von einem Honorarabschlag sprechen. Michael Rauscher: „Bei Wegfall der Praxisgebühr wird somit nichts mehr verrechnet, sondern der Arzt erhält sein gesamtes Honorar von der Kassenärztlichen Vereinigung, ohne Praxisgebührabzug.“ Daher würden die Ärzte auch nicht gern von der „Praxisgebühr“ sprechen, sondern stattdessen das Wort „Kassengebühr“ bevorzugen.

Ab 2013 sind Arztbesuche wieder ohne die Zahlung einer Praxisgebühr möglich. (Foto: Flickr/TK_Presse)

Ab 2013 sind Arztbesuche wieder ohne die Zahlung einer Praxisgebühr möglich. (Foto: Flickr/TK_Presse)

Wenn man „den verwaltungstechnischen Aufwand in Euro und Cent“ umrechne, so Rauscher weiter, seien sogar positive Auswirkungen durch den Wegfall der Praxisgebühr möglich, zudem könne „die freiwerdende Zeit für andere Patienten eingesetzt werden, was unter Umständen auch mehr Einnahmen“ bedeute.

Zweck der Praxisgebühr war ursprünglich die Entlastung der Ärzte. Die Zehn-Euro-Gebühr sollte als eine Art Hemmschwelle sogenannte „unnötige“ Arztbesuche eindämmen und damit ein Mittel gegen überfüllte Wartezimmer in den Arztpraxen sein. Obwohl die Wirkung dieser künstlichen Hemmschwelle umstritten ist, besteht nun die Befürchtung, dass die Wartezimmer nächstes Jahr wieder voller werden könnten.

Es könne „tatsächlich sein, dass die Patientenzahlen ansteigen, wenn kein finanzielles Hindernis mehr für einen Arztbesuch“ bestehe, vermutet der Hauptgeschäftsführer des Hartmannbundes. Es sei auch denkbar, dass es „einen kleinen Effekt im ersten Quartal 2013“ gibt, „wenn weniger dringende Arztbesuche aus dem vierten Quartal 2012 verschoben werden“. Dennoch, so schränkte Rauscher ein, „sind nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung weit über 40 % der gesetzlichen Krankenversicherten von der Praxisgebühr befreit, so dass dieses Hindernis nur scheinbar besteht“. Außerdem würden die Zuzahlungen in anderen Bereichen wie Arzneimitteln, Heil- und Hilfsmitteln bestehen bleiben.

Genauso gut könne es zu einem Rückgang der Patientenkontakte kommen. Würden zu Beginn des Quartals Überweisungen nicht mehr en masse abgeholt, sagte Rauscher, dann würde damit auf Leistungen verzichtet, die vorher häufig im Sinne eines Mitnahmeeffektes in Anspruch genommen wurden.

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