Stammzellenforschung

Körpereigene Stammzellen beschleunigen Knochenbildung

Der Heilungsprozess von großen Knochenlücken kann jetzt erheblich beschleunigt werden, indem körpereigene Stammzellen direkt am beschädigten Knochen eingesetzt werden. Mit diesem Verfahren konnten die Bochumer Ärzte bisher 20 Patienten erfolgreich behandeln.

Um zwölf Tage konnte die Wachstumszeit von einem Zentimeter Unterschenkelknochen bei großen Knochenlücken verkürzt werden. Zu einer derartig großen Lücke im Unterschenkelknochen kann es kommen, wenn nach schweren Verletzungen oder zur Entfernung von Tumoren Knochenstücke herausgenommen werden müssen. Ärzten des Klinikums in Bochum ist die beschleunigte Heilung zuerst gelungen. Möglich machte das der Einsatz von körpereigenen Stammzellen direkt am beschädigten Knochen.

Ohne die neuartige Behandlungsmethode dauerte es noch 49 Tage, bis sich ein Zentimeter Knochen neu gebildet hatte. Entnommen werden die Stammzellen dabei in einem „kleinen Eingriff mit einer Hohlnadel aus dem Kamm des Beckenknochens”, erläutert der geschäftsführende Oberarzt Dr. Dominik Seybold die Gewinnung des Knochenmarks.

Für die Schließung von Knochenlücken sind derzeit noch lange Krankenhausaufenthalte nötig. Patienten können jedoch auf eine schnellere Heilung hoffen. Foto: Flickr/Mike Cough

Für die Schließung von Knochenlücken sind derzeit noch lange Krankenhausaufenthalte nötig. Patienten können jedoch auf eine schnellere Heilung hoffen. Foto: Flickr/Mike Cough

Das zum Verschluss der Knochenlücke angewendete mechanische Verfahren bleibt auch bei der neuen Behandlungsmethode gleich. Dabei wird das gesamte Bein zunächst mit einer Schiene umgeben. Diese dient als Halterung für ein Seilzugsystem, über das ein vorher abgetrenntes gesundes Stück Knochen im Bein über die gesamte Distanz der bestehenden Lücke gezogen wird. Zwischen dem abgetrennten Stück und dem Knochen entsteht so nach und nach eine Art Knochenschlauch, der sich täglich um rund einen Millimeter verlängert. Beim Knochenschlauch handelt es sich um eine dünne Membran, innerhalb der sich dann der Knochen als Ganzes neu bilden kann.

Die Stammzellen werden daher in die Mitte des Knochenschlauchs aufgebracht. Dort beginnen sie damit, sich zu den für den Knochenaufbau nötigen Osteoblasten weiterzuentwickeln. Folglich stehen zusätzliche Zellen für die Knochenbildung zur Verfügung und der Heilungsprozess wird beschleunigt.

Bisher haben die Bochumer Ärzte 20 Patienten der Stammzellenbehandlung unterzogen. „Das ist natürlich zu wenig, um statistisch aussagekräftig zu sein”, gibt Seybold angesichts der geringen Patientenzahl zu bedenken. Dennoch stimmen die bisherigen Ergebnisse die Ärzte optimistisch. So war es möglich, die Behandlungsdauer der im Durchschnitt acht Zentimeter großen Knochenlücken um drei Monate zu verkürzen.

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