Wissensportal owidi öffnet endlich seine Pforten

Gesamtvorstandssitzung der DGZMK / NKLZ im Mai 2013 vor Verabschiedung

Frankfurt a.M. – Es war keine unbedingt gute Nachricht, mit der Präsident Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake seinen Bericht an den Gesamtvorstand der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und damit die Sitzung eröffnete: „Bei owidi – unserem digitalen Wissensportal zur ZMK – stehen wir nach einem Jahr da, wo wir vor einem Jahr standen.“ Dies sei der ursprünglichen Partnerfirma für das Erstellen der Software zu verdanken, die sich als der Problematik nicht gewachsen erwies und darüber hinaus ein heilloses Durcheinander stiftete. „Jetzt ist das Portal aber startbereit, die Funktionalitäten sind da. Einige Dinge werden zwar noch ausgebaut und in den nächsten Monaten weiter verbessert, aber wir sind auf dem richtigen Weg.“ Per i-Pad konnten Besucher des Kongresses zum Deutschen Zahnärztetag das neue Portal am DGZMK-Stand erstmals testen. Man habe dazu im Herbst eine neue Partnerfirma gefunden, die sich sehr schnell und erfolgreich in die Materie eingearbeitet habe, so Schliephake.

Ein weiteres zukunftsweisendes Projekt, die Gründung einer Wissenschaftsagentur in Berlin, stellte der DGZMK-Präsident ebenfalls vor. Mit der Agentur soll Forschungsförderung durch Bundesmittel ermöglicht werden. Die Ausschreibung eines Geschäftsführerpostens soll in Kürze veröffentlicht werden, die Agentur im Jahr 2014 ihre Arbeit aufnehmen.

Der Stand des Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalogs Zahnmedizin zählte zu den erfreulichen Aspekten des Berichts Prof. Schliephakes. Dagegen warte man immer noch auf die überfällige Verabschiedung des Entwurfs zur neuen AOZ durch die Länder.  Der Arbeitskreis habe eine große Dynamik bewiesen, besonders dankte er Prof. Petra Hahn und Prof. Hans Jürgen Wenz für deren Engagement. Bereits im Mai soll der NKLZ verabschiedungsreif sein und im Rahmen des ordentlichen Medizinischen Fakultätentages Ende Mai vorgestellt werden. Der NKLZ wird von DGZMK, BZÄK und VHZMK finanziert.

Umgang mit der NS-Vergangenheit
Entsprechende Publikationen jüngerer Zeit lassen einen angemessenen Umgang mit der Geschichte der Zahnmedizin in der Nazi-Zeit ratsam erscheinen. Prof. Dr. mult. Gross, der Vorsitzende des AK Ethik, hatte bereits im Sommer angeregt, gemeinsam mit der BZÄK ein Gremium zu bilden, in das zusätzlich auch der AK Geschichte involviert sein soll. BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel schlug vor, sich bei der Aufarbeitung dieser Problematik der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung anzuschließen. Diese planten, damit das Institut für Geschichte und Medizin in Heidelberg unter Leitung von Prof. Eckert zu beauftragen. Eine solche Lösung kostete etwa 100.000 Euro, erläuterte der BZÄK-Präsident. Das weitere Vorgehen soll im Rahmen des gemeinsamen Gremiums geklärt werden.

In das von der BZÄK ins Leben gerufene „Forum Zahn- und Mundgesundheit Deutschland“ werden DGP, DGZ sowie DGK jeweils einen Vertreter entsenden, für die DGZMK selbst wird die Präsidentin elect, Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke, daran teilnehmen. Die Alters Zahnmedizin und die DGPro zeigten ebenfalls Interesse an einer Teilnahme. Das Forum sei allerdings eher politisch zu sehen, es gehe darum, fachliches Knowhow und Erfahrungen in den Gesamtplan Prävention der Bundesregierung mit einzubringen, erläuterte BZÄK-Präsident Engel den Grundgedanken des Forums.

DGZMK-Vizepräsident Dr. Wolfgang Bengel wies auf den Erfolg und die allgemeine Akzeptanz, die sich in wachsender Nachfrage des DGZMK-Services der Röntgen- und Mundschleimhautberatung niederschlägt. Gleichzeitig gab Bengel bekannt, dass er für diesen Dienst gern Sponsoren gewönne, um den an den Befunden arbeitenden Kolleginnen und Kollegen eine finanzielle Entschädigung für ihren Aufwand bieten zu können.

DGZMK steht bei 20.380 Mitgliedern
DGZMK-Generalsekretär Dr. Ulrich Gaa präsentierte die aktuelle Mitgliederzahl der DGZMK, sie betrug 20.380 Mitglieder zum 31.10.2012. Er gab einen kurzen Überblick über die Kosten der ersten drei Quartale.

Der Vorsitzende des Direktoriums der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW), Dr. Norbert Grosse, zeichnete angesichts einer schwarzen Null im Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres ein insgesamt kritisches  Bild. Es sei ein eher abflauendes Interesse an der traditionellen Fortbildung zu verzeichnen, der sich auch in der Teilnehmer- und Mitgliederentwicklung der APW niederschlage. Seit 2006 habe sich ein stetiger Rückgang eingependelt, auch wenn in diesem Jahr das 5000. Mitglied begrüßt werden konnte. Kurse und Kursplätze hätten abgenommen. So müsse die Hälfte der Einzelkurse abgesagt werden.
 
APW zollt Verdrängungswettbewerb Tribut

Die APW müsse einem Verdrängungswettbewerb Tribut zollen, sie sei nicht mehr einzigartig in ihrem Angebot. Trotz neuer Programminhalte und Marketingstrategien sei dem abflauenden Interesse nicht effektiv zu begegnen. Die mittelfristigen Aufgaben und Ziele der APW sah Dr. Grosse im Umfeld des neuen Portals owidi angesiedelt. Blended Learning, Mobiles Lernen, Soziale Medien Onlinekurse sowie Lernsoftware seien Bereiche, in die die APW mit einer gleichzeitigen Belebung der Mitgliedschaft sowie neuer Zertifizierungsmodelle vorstoßen müsse.

Die gemeinsam mit dem FVDZ gegründete Organisation für Zahnmedizin-Studenten und –Absolventen, young dentists2, umfasst derzeit 1391 registrierte Teilnehmer, davon sind 416 Studenten und 685 Assistenten, 290 sind Praxisgründer.

In ihrem Bericht gab die Präsidentin elect, Prof. Bärbel Kahl-Nieke, einen Überblick über die Entwicklung der Leitlinien sowie zur Finanzierung. Insgesamt konnten zwölf Leitlinienprojekte abgeschlossen werden, geplant sind weitere fünf priorisierte. Finanzielle Unterstützung erhalten nur solche Themen, die von der Task Force Q priorisiert wurden. Keine Unterstützung gibt es bei S1-Leitlinien. Für S2-k/S3-Leitlinien kann das Konsensusverfahren mit maximal 5000 Euro finanziert werden, bei S2-e/S3-Leitlinien kann die Literaturrecherche finanziert werden. Anträge sind bei der Leitlinien-Beauftragten Dr. Ursula Schütte oder Dr. Regine Chenot (zzq) einzureichen.

Feminisierung des zahnärztlichen Berufsstandes
Die Feminisierung des zahnärztlichen Berufsstands war u.a. Gegenstand des Berichts des BZÄK-Präsidenten Dr. Peter Engel. „Wir werden bis zu 70 Prozent Zahnärztinnen bekommen“, so Engel. Deshalb werde die BZÄK neben einem bereits verfassten Memorandum auch die Versorgungsstrukturen näher unter die Lupe nehmen. Die Mitgliedschaft der BZÄK im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) sei wichtig, um zahnärztliche Belange dort zu vertreten, das funktioniere nicht mehr aus sich selbst heraus. „Die Herausforderungen der Zukunft sind nur mit Berufsstand und Wissenschaft gemeinsam zu lösen“, sagte der BZÄK-Präsident. Engel forderte im Übrigen eine Initiative, die einer Feminisierung des Berufsstandes über die für die Zulassung entscheidenden Abi-Noten entgegenwirkt und erntete dafür Zustimmung.

Ein kurzes Fazit zum gemeinsam mit der medizinischen Präventions- und Versorgungsforschung durchgeführten Kongress Ende September in Dresden zog Tagungspräsident Prof. Thomas Hoffmann (Uni Dresden). „Die DGZMK hat erstmalig einen medizinischen Kongress ausgerichtet und ist dabei als Zahnmedizin für die Medizin sichtbar geworden. Für die Hochschule ist es ein Impuls, zukünftige gemeinsame Forschungsprojekte anzudenken. Dies war eine sehr erfolgreiche Einstiegstagung.“

Prof. Schliephake stellte als Thema für den Kongress zum Deutschen Zahnärztetag 2013 „ZM interdisziplinär – Altersgemäße Therapiekonzepte“ vor. Es folgte der Bericht aus den Gesellschaften, bei denen erfreulich viele Kooperationen einzelner Gesellschaften untereinander genannt wurden, so etwa die Kooperation zwischen der DGZ und den Endodontologen.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Comments are closed.