Analyse

Blutkrebstherapie schädigt Knochen bei Kindern

Mit einem neuartigen Ultraschallverfahren kann nach einer Knochenmarktransplantation eine Knochenschwäche frühzeitig diagnostiziert werden, um eine Osteoporose vorzubeugen. Damit kann vor allem bei Kindern ein verminderter Knochenwachstum besser behandelt werden.

Die menschlichen Knochen bilden sich vor allem in der frühen Kindheit. Krankheiten während der Wachstumsphase wirken sich daher besonders negativ auf die Knochen aus. So kann sich die Dichte der Knochen verringern. Das haben Ärzte der Uniklinik Jena festgestellt. Vor allem bei Leukämie-Patienten macht sich das verminderte Knochenwachstum bemerkbar. Zwar kann der Blutkrebs in vielen Fällen durch eine Knochenmarktransplantation geheilt werden. Doch ist im Anschluss an den Eingriff eine lange Ruhephase nötig, während der sich die Kinder kaum bewegen können. In dieser Zeit werden die Knochen und Muskeln nicht beansprucht und dementsprechend nicht trainiert.

Eine Verminderung der Knochendichte und erste Anzeichen von Osteoporose sind die häufigen Folgen. Bei Osteoporose handelt es sich um eine Krankheit, die vor allem im Alter auftritt. Dabei nimmt die Stabilität der Knochen stark ab, und es kommt zu Knochenbrüchen. In Extremfällen kommt es zur vollständigen Immobilität oder Folgeerkrankungen wie Lungenentzündungen. Gerade bei alten Menschen endet eine Lungenentzündung häufig tödlich.

Um eine mögliche Knochenschwäche schon im Kindesalter zu diagnostizieren, nutzen die Ärzte der Uniklinik Jena ein neuartiges Ultraschallverfahren. „Wir setzen den Schallkopf dabei an der Ferse der Kinder an und können dort die Geschwindigkeit messen, mit der die Ultraschallwellen durch die Knochen dringen”, erklärt der Kinderradiologe Hans-Joachim Mentzel die Untersuchungsmethode. Je dichter der Knochen ist, desto stärker wird die Geschwindigkeit verringert. Umgekehrt liefert eine unverändert hohe Ultraschallgeschwindigkeit Hinweise auf eine krankhafte Veränderung der Knochenstruktur.

Für ihre Untersuchungen griffen die Ärzte um Mentzel auf die Daten von 49 Kindern mit Blutkrebs zurück. Bei jedem Kind wurden drei Messungen vorgenommen: Eine Messung vor der Knochenmarktransplantation, um einen Ausgangswert zu bestimmen. Die zweite Messung nach dem Eingriff und der darauf folgenden Bewegungsunfähigkeit, um die Auswirkung auf die Knochendichte festzustellen. Eine letzte Messung erfolgte ein Jahr nach dem Eingriff und diente dazu, die Langzeitfolgen für die Knochen zu ermitteln.

Nach Abschluss der Untersuchungen stellten die Ärzte fest, dass die Knochen der Kinder deutlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. „Nach der Transplantation betrug der Anteil der Kinder mit radiologischen Hinweisen auf eine Osteoporose 13,5 Prozent”, beschreibt Mentzel die Ergebnisse. Der Anteil der Kinder mit ernsthaften Krankheitserscheinungen in den Knochen hatte sich damit verdoppelt. Doch macht die Studie auch Hoffnung. Nach einem Jahr hatte sich der Knochenzustand annähernd normalisiert.

Doch gibt Mentzel zu bedenken, dass alle Werte im Vergleich zu gesunden Kindern immer noch etwas schlechter sind. „Das könnte darauf hinweisen, dass diese Kinder deswegen ein erhöhtes Risiko für eine Knochenschwäche im Alter haben”, so der Mediziner weiter. Die Experten ziehen daher zwei Schlüsse aus der Studie: Erstens muss dem Knochenaufbau nach einer Krebstherapie verstärkte Aufmerksamkeit, zum Beispiel durch spezielle Trainingsprogramme, zukommen. Zweitens sollten ehemalige Krebspatienten ihre Knochen auch in Zukunft regelmäßig untersuchen lassen. Nur so kann Osteoporose frühzeitig erkannt und auch behandelt werden.

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