Drogen

Deutschland braucht mehr Geld für Suchtprävention

Suchtkranke erhalten zu wenig Unterstützung, obwohl immer mehr Menschen in Abhängigkeit geraten. Inzwischen hat sich die Zahl der Online-Dealer innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Zudem steigt der Konsum synthetischer Drogen immer weiter an.

Jedes Jahr wenden Unternehmen in Deutschland rund eine Milliarde Euro für Werbung für Tabak und Alkohol auf. Die Ausgaben für die Prävention von Suchtkrankheiten hingegen liegen jährlich bei gerade einmal 30 Millionen Euro. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen fordert deshalb, den Betrag für Maßnahmen gegen Suchtkrankheit mindestens genauso hoch anzusetzen. So versuchen Hersteller von Alkohol und Tabak oft, Kinder und Jugendliche zu erreichen, prangert Helga Meeßen-Hühne von der Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt das Verhalten der Industrie an. Sie fordert deshalb einen konsequenteren Jugendschutz.

Besonders Männer laufen Gefahr, eine Alkoholsucht zu entwickeln. Rund jeder dritte Mann zwischen 18 und 64 Jahren hat einen problematischen, d. h. riskanten oder schädlichen Alkoholkonsum. Bei Frauen hingegen liegt der Anteil gerade einmal bei neun Prozent. Als gesundheitsschädlich gilt z. B. der Konsum von zwei Gläsern Bier am Tag (24 Gramm Reinalkohol). So neigen Männer im jungen Erwachsenenalter deutlicher zu riskantem Alkoholkonsum als Frauen im gleichen Alter, wie aktuelle Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) belegen.

Obwohl die Drogenprävention bei Cannabisgenuss intensiviert werden muss, verursacht Alkohol die flächendeckend größten Schäden. Bier bleibt das beliebteste alkoholische Getränk bei Jugendlichen. (Grafik: BZgA)

Obwohl die Drogenprävention bei Cannabisgenuss intensiviert werden muss, verursacht Alkohol die flächendeckend größten Schäden. Bier bleibt das beliebteste alkoholische Getränk bei Jugendlichen. (Grafik: BZgA)

Jeder zweite Mann zwischen 18 und 25 trinkt sich mindestens einmal im Monat in einen Rausch. Dieser exzessive Alkoholkonsum sei auf bestimmte Rollenerwartungen zurückzuführen, so Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. Auf der Internetseite www.maennergesundheitsportal.de versucht die BZgA, Männer auf die Risiken von Alkoholmissbrauch aufmerksam zu machen und präventiv gegen die Suchtgefahr vorzugehen. Die Einrichtung bietet im Internet unter www.kenn-dein-limit.de auch einen Selbsttest zum Alkoholmissbrauch an.

Unterdessen nimmt die Abhängigkeit bei illegalen Drogen zu. Besonders der Konsum synthetischer Drogen weitet sich aus. Zwar sind Cannabis und Kokain nach wie vor die am häufigsten konsumierten illegalen Drogen, neue synthetische Drogen sind aber ein schnell wachsender Trend. Zu diesem Ergebnis kommen Berichte der deutschen und europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. So würden immer mehr synthetische Substanzen mit psychoaktiver Wirkung in Umlauf gebracht. Darunter auch neue Stoffe, wie die EU-Drogenagentur EBDD berichtet. In diesem und im vergangenen Jahr seien rund 100 neue synthetische Substanzen auf dem Drogenmarkt aufgetaucht.

Das Internet wird allmählich zum Hauptumschlagplatz für illegale Drogen. So stieg die Zahl der Online-Dealer bis Januar 2012 auf 693. Sie hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Cannabis bleibt unangefochten die am meisten konsumierte illegale Droge. Der Anteil der Drogenpatienten, die wegen Cannabis-Konsums ambulant behandelt wurden, lag bei etwa einem Drittel. „Das zeigt, dass Cannabis keineswegs eine harmlose Droge ist“, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP). Der Heroinkonsum hingegen ist europaweit rückläufig.

Dabei habe sich der Reiz der Drogen für die Konsumenten in den vergangenen 20 Jahren deutlich verändert. „Statt um Introspektion und Bewusstseinserweiterung geht es heute um Power und Energie und darum, 24 Stunden am Tag durchtanzen zu können“, sagte Roland Simon vom European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction. Einer Legalisierung steht der Fachmann kritisch gegenüber. Die Strafverfolgung sorge dafür, dass Suchtstoffe schwerer zu beschaffen seien und die Preise dafür nicht weiter fielen. Dies sei positiv zu bewerten, weil die Konsumenten eine vermeintliche Legalität von Substanzen häufig als Qualitätssiegel ansehen würden, berichtete Simon.

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