Implantate

Kehlkopfschrittmacher hilft gegen Stimmlippenlähmung

In Gera haben Ärzte einer Patientin erstmals erfolgreich einen Kehlkopfschrittmacher implantiert. Dieser erleichtert das Atmen und Sprechen, indem er den Öffnermuskel im Kehlkopf stimuliert. Entwickelt wurde das Gerät in Kooperation mit einem Hörimplant-Anbieter.

Entwickelt wurde das Gerät gemeinsam von der Klinik in Gera sowie den Universitätskliniken in Würzburg und Innsbruck in Kooperation mit MED-EL Medical Electronics, einem Anbieter von Hörimplantaten

Jedes Jahr erleiden rund 1.000 Menschen in Deutschland und Österreich eine Lähmung beider Stimmlippen. Die Lähmung tritt häufig als Folge von operativen Eingriffen auf. So
sind Operationen an der Schilddrüse, am Herz oder der Wirbelsäule die Hauptursache für eine beidseitige Stimmlippenlähmung. In Ausnahmefälle kann sie jedoch auch von Unfällen, Nervenschäden oder Tumoren hervorgerufen werden.

Erstmals konnten Chirurgen einen Kehlkopfschrittmacher implantieren. Ein derartiger Eingriff ermöglicht neue Behandlungsmethoden bei beidseitiger Stimmlippenlähmung. (Foto Creative CommonsWikimedia/Jonathan E. Davis)

Erstmals konnten Chirurgen einen Kehlkopfschrittmacher implantieren. Ein derartiger Eingriff ermöglicht neue Behandlungsmethoden bei beidseitiger Stimmlippenlähmung. (Foto Creative CommonsWikimedia/Jonathan E. Davis)

„Die Betroffenen sind mit schweren Atemnotzuständen bei jeglicher körperlicher Anstrengung und bei Infekten konfrontiert”, sagt Andreas Müller, HNO-Chefarzt am Klinikum Gera. Zudem ist „die Stimme schwach und auch im Schlaf leiden die Patienten an Atembeschwerden”, so Müller weiter. Als Folge nimmt die Leistungsfähigkeit der Patienten stark ab. In vielen Fällen führt eine Erkrankung zur Berufsunfähigkeit oder gar zum Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben.
Bisher angewandte Behandlungsmethoden, wie die Entfernung von Teilen der Stimmlippen mit Laser oder ein Luftröhrenschnitt, schränkten die Patienten deutlich ein.

Neue Hoffnung bringt jetzt ein erstmals am Klinikum Gera, bei einer 51-jährigen Patientin, eingesetzter Kehlkopfschrittmacher. Die Frau hatte zuvor 16 Jahre unter einer beidseitigen Stimmlippenlähmung gelitten. Mit dem Implantat ist die Patientin inzwischen wieder in der Lage, uneingeschränkt schlucken und sprechen zu können. Die erste Kontrolle nach dem Einsetzen des Implantats sei sehr zufriedenstellend verlaufen, sagte Müller über die erfolgreiche Transplantation. Der Mediziner fügte hinzu, dass auch der Eingriff reibungslos verlaufen und das Implantat inzwischen ohne Komplikationen eingeheilt sei.

Einmal angebracht, stimuliert der Kehlkopfschrittmacher die Nerven im Kehlkopf, so dass sich die Stimmlippen wieder uneingeschränkt öffnen und schließen lassen. Das erleichtert die Atmung und das Sprechen. Entwickelt wurde das Gerät gemeinsam von der Klinik in Gera sowie den Universitätskliniken in Würzburg und Innsbruck in Kooperation mit MED-EL Medical Electronics, einem Anbieter von Hörimplantaten. Auf den ersten erfolgreichen Einsatz des Kehlkopfschrittmachers folgen nun weitere Tests. Diese sollen prüfen, ob das Implantat den Anforderungen der Patienten genügt und den Sicherheitsstandards entspricht. Sollten die kommenden Tests erfolgreich ausfallen, könnte das Implantat regelmäßig zur Behandlung von Stimmlippenlähmung zum Einsatz kommen.

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