Therapie

Alzheimer: Neuer Therapieansatz hemmt Veränderung im Gehirn

Durch die Ausschaltung eines Botenstoffes im Körper von Mäusen können die Alzheimer-Symptome reduziert werden. Die Ärzte möchten jetzt eine klinische Studie an Menschen durchführen.

Alzheimer zählt zu den häufigsten Ursachen einer Demenz. In Deutschland und der Schweiz sind 1,5 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen. Meist tritt Alzheimer nach dem 65. Lebensjahr auf. Mit dem demografischen Wandel wird sich die Zahl der Erkrankten in den nächsten Jahren stark erhöhen. Die Betroffenen leiden anfangs unter Problemen mit dem Kurzzeitgedächtnis. Im weiteren Krankheitsverlauf kommt es zu einer starken Beeinträchtigung der Sprachfähigkeit. Im fortgeschrittenen Stadium sind die Patienten nicht mehr in der Lage, altbekannte Tätigkeiten auszuüben oder Personen wiederzuerkennen. Nach der Diagnose von Alzheimer verbleibt den Erkrankten eine durchschnittliche Restlebenszeit von sieben bis zehn Jahren. Bisher galt Alzheimer als nicht heilbar.

Alzheimer tritt bei Menschen meist nach dem 65. Lebensjahr auf und gilt als unheilbar. Ein neuer Therapieansatz macht aber Hoffnung. (Flickr/Vince Alongi)

Alzheimer tritt bei Menschen meist nach dem 65. Lebensjahr auf und gilt als unheilbar. Ein neuer Therapieansatz macht aber Hoffnung. (Flickr/Vince Alongi)

Einem Team von Ärzten aus Deutschland und der Schweiz ist nun möglicherweise ein entscheidender Schritt bei der Behandlung von Alzheimer gelungen. Einer Studie zufolge, die im Magazin Nature Medicine erschien, schafften es die Wissenschaftler, alzheimertypische Zellveränderungen um bis zu 65 Prozent zu reduzieren. Bei ihren Versuchen an Mäusen schalteten die Forscher dazu körpereigene Botenstoffe, auch Zytokine genannt, aus. Mit dem Ergebnis, dass sich weniger Amyloid-β im Gehirn der Mäuse ablagerte. Amyloid-β wird in einem gesunden Körper kontinuierlich für die Immunabwehr produziert. Jedoch schlägt sich das Amyloid-β im Normalfall nicht an den Zellwänden nieder. Bei Patienten mit Alzheimer ist das der Fall. Dann wirkt es wie eine Art Nervengift. Mit zunehmender Dauer und Menge der Ablagerungen kommt es daher zu Nervenschäden und den typischen Symptomen von Alzheimer.

Am stärksten fiel der positive Effekt in den Tests aus, in denen das Immunmolekül p40 blockiert wurde. Nach der Neutralisierung von p40 traten selbst dann gesundheitliche Verbesserungen ein, wenn die Mäuse schon Symptome von Alzheimer aufwiesen. Daraus folgerten die Ärzte um Frank Heppner und Burkhart Becher einen Zusammenhang zwischen der Alzheimererkrankung und p40. Die beiden planen daher eine zügige Erprobung ihrer Methode an menschlichen Patienten. „Aufgrund der Datenlage und Erfahrungswerten zur Verträglichkeit des Medikaments” für die Neutralisierung von p40, könne nun eine „klinische Studie ohne Verzögerung angegangen werden”, so die beiden Ärzte. Es besteht deshalb die Hoffnung, dass die aktuellen Erkenntnisse bald in neuen Therapiemethoden zum Einsatz kommen können.

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