Pflege

Innovatives Textil verringert Wundgeschwüre

Schweizer Forscher haben einen neuartigen Stoff entwickelt, der die Lebensqualität bei Bettlägerigkeit erhöht. Das neue Material besitze eine geringere Kontaktfläche als normale Textilien. Zudem könne es in speziellen mikroskopischen Zwischenräumen zusätzliche Flüssigkeit aufnehmen.

Eine Gruppe von Schweizer Forschern hat ein neuartiges Textil entwickelt, dass die Lebensqualität von bettlägerigen Patienten deutlich erhöhen könnte. Angeführt wurde das Projekt von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA), in Kooperation mit dem Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ).

Die Mediziner hatten sich zum Ziel gesetzt, die Lebensqualität bei dekubitusgefährdeten Patienten zu erhöhen. Darunter versteht man Patienten, die aufgrund ihrer Bewegungsunfähigkeit Gefahr laufen, offene Wunden durch Druckgeschwüre zu erleiden. Häufig ist dies bei älteren Menschen oder Querschnittsgelähmten der Fall. Sie verharren lange in ein und derselben Liegeposition. Dadurch verschlechtert sich die Durchblutung und Feuchtigkeit setzt sich auf der Haut ab. In der Folge bilden sich toxische Substanzen und offene Wundgeschwüre. Im schlimmsten Fall können die Geschwüre lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.

Auch Querschnittsgelähmte könnten von der innovativen Textilie profitieren. (Foto: Wikimedia/Luis Miguelle Bulgallo Sánchez)

Auch Querschnittsgelähmte könnten von der innovativen Textilie profitieren. (Foto: Wikimedia/Luis Miguelle Bulgallo Sánchez)

Daher wählten die Schweizer einen Ansatz, der die Auflagefläche zwischen Mensch und Textil auf ein Minimum reduzieren sollte. „Wir evaluierten marktgängige Kunstfasern”, sagte Siegfried Gerler, der leitende Entwickler bei der EMPA, über den Beginn seiner Arbeit. Im darauffolgenden Schritt entwickelten die Forscher einen „Stoff mit einer Art Punktoberfläche”, so Gerler weiter. Im Vergleich zu herkömmlichen Textilien hat das neue Material zwei Vorteile: Erstens besitzt es eine geringere Kontaktfläche als normale Textilien. Zweitens kann es in speziellen mikroskopischen Zwischenräumen zusätzliche Flüssigkeit aufnehmen.

Ende 2009 kam es zu ersten Praxistests mit insgesamt 20 querschnittsgelähmten Patienten. Nach eineinhalb Jahren Erprobung standen die Testergebnisse fest. So hatte sich die Durchblutung der Testpatienten deutlich erhöht. Auch schwitzten die Probanden weniger und ihr allgemeines Befinden hatte sich im Vergleich zur Zeit der Nutzung von herkömmlichen Laken deutlich verbessert. Im kommenden Frühjahr soll der von Schöller Medical produzierte Stoff auf den Markt kommen. Indes sucht das SPZ nach Möglichkeiten, das innovative Textil im Alltag einzusetzen. So könnte das Textil auch außerhalb des Klinikbetriebs, zum Beispiel bei den Patienten zu Hause, zum Einsatz kommen.

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