Erkältung

Synthetischer Grippeimpfstoff wird schneller hergestellt

Der neue Impfstoff basiert auf der sogenannten Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA), die die Produktion von Antikörpern gegen den Grippevirus anregt. Ein weiterer Nutzen des synthetischen Impfstoffes liegt in seiner hohen Stabilität.

Wissenschaftlern des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) ist es gelungen, einen synthetischen Impfstoff gegen Influenzaviren herzustellen. In Zusammenarbeit mit der Curevac GmbH wiesen die Forscher die Wirksamkeit des Impfstoffes bei Mäusen, Frettchen und Schweinen nach. Die Tests zeigten, dass auch alte und sehr junge Tiere erfolgreich vor Grippe geschützt werden können.

Der neue Impfstoff basiert auf der sogenannten Messenger-Ribonukleinsäure (mRNA). Diese ist in den Zellen für die Informationsübertragung verantwortlich. Dort steuert sie die Proteinproduktion. Mit dem Impfstoff wird dem Körper mRNA zugeführt, die die Produktion von Antikörpern gegen den Grippevirus anregt. Da es sich bei der zugeführten mRNA nur um einen Botenstoff handelt, wird sie nicht in das menschliche Erbgut eingebaut. Nebenwirkungen auf die Funktionsweisen der Zellen seien daher nicht zu befürchten, so die Forscher.

Impfstoffe werden heute in monatelanger Arbeit hergestellt. Mit synthetischen Impfstoffen ließe sich der Herstellungsprozess stark beschleunigen. (Flickr/Yuya Tamai)

Impfstoffe werden heute in monatelanger Arbeit hergestellt. Mit synthetischen Impfstoffen ließe sich der Herstellungsprozess stark beschleunigen. (Flickr/Yuya Tamai)

Für die Herstellung des neuen mRNA-Impfstoffes bedarf es zunächst der Entschlüsselung des Erbguts der Erreger. Im Anschluss könnten große Mengen innerhalb kürzester Zeit produziert werden, berichtet Lothar Stitz, Leiter des Instituts für Immunologie am FLI. Darin liegt auch der große Vorteil gegenüber den bisherigen Herstellungsverfahren von Impfstoffen. Bis jetzt müssen zuerst große Virenstämme angelegt und zeitaufwändig gezüchtet werden, um ausreichende Mengen an Impfstoff bereitstellen zu können. Für den deutschen Impfstoff erfolgt die Aufzucht der Viren beispielsweise in bebrüteten Hühnereiern. Die jeweilige Zusammensetzung des Impfstoffs für den kommenden Winter beruht auf den Vorgaben der World Health Organization (WHO), die diese jeden Februar bekanntgibt.

Heutige Grippeimpfstoffe basieren daher immer nur auf Vorhersagen und sind nicht komplett an die aktuellen Erreger angepasst. Die mRNA-Impfstoffe können hingegen leicht auf jede Veränderung bei Grippeviren abgestimmt werden. Das hilft dabei, schnell auf neue Erreger zu reagieren und Engpässe in der Herstellung von Impfstoffen zu vermeiden. Gerade bei sehr schnell mutierenden Viren, wie dem Vogelgrippevirus (H5N1), bringt die hohe Produktionsgeschwindigkeit große Vorteile. Das gilt vor allem für den Fall einer Kreuzung der Vogelgrippe mit anderen Erregern. Die Entwicklung eines geeigneten Impfstoffes kann immer erst nach der Kreuzung erfolgen. Durch die aktuellen Produktionsmethoden geht wertvolle Zeit im Kampf gegen die Ausbreitung der mutierten Influenza verloren. Die schnelle Synthese von Impfstoffen verspricht deshalb bei sich schnell verändernden Grippeviren einen enormen Zeitgewinn.

Neben der schnellen Herstellung bietet die Methode aber noch weitere Vorteile. Verunreinigte Impfstoffpräparate, wie sie vor wenigen Wochen in Deutschland im Umlauf waren, können dank der synthetischen Herstellung ausgeschlossen werden. Ein weiterer Nutzen des synthetischen Impfstoffes liegt in seiner hohen Stabilität. Die Impfampullen benötigen keinerlei Kühlung und lassen sich auch bei hohen Temperaturen sicher lagern. Das erleichtert ihren Einsatz in tropischen Ländern und in der Veterinärmedizin.

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