Analyse

Knochenstabilität bei Osteoporose annähernd verdoppelt

Mit Hilfe einer Antikörpertherapie kann das Protein Sklerostin Knochen aufbauen und deren Stabilität verbessern. Die höchste Steigerung der Stabilität der Knochen betrug 86 Prozent, ohne Nebenwirkungen aufzuweisen. Normalerweise bremst Sklerostin den Knochenwuchs.

Das Syndrom, das die Ärzte bei ihrer Forschung inspirierte, ist die sogenannte van Buchem-Krankheit. Die Erkrankung wurde erstmals 1960 beobachtet. Damals überstand eine südafrikanische Familie einen schweren Autounfall nahezu unverletzt. Anschließende Untersuchungen zeigten, dass alle Familienmitglieder einen verstärkten Knochenwuchs aufwiesen. Dieser verlieh ihren Knochen erhöhte Stabilität. Im Jahr 2002 konnten Genetiker nachweisen, dass ein fehlendes Protein namens Sklerostin für die van Buchem-Krankheit verantwortlich ist. Normalerweise bremst Sklerostin den Knochenwuchs. Der Körper wirkt damit einer unkontrollierten Vergrößerung des Skeletts entgegen, die ansonsten zu einer Beeinträchtigung der inneren Organe führen kann.

Ärzte der Universität Dresden (UKD) und des Zentrums für Regenerative Therapie Dresden (CRTD) machten sich die bisherigen Erkenntnisse über die van Buchem-Krankheit zunutze. Aufbauend auf der Erkenntnis aus dem Jahr 2002 gingen die Forscher um Lorenz Hofbauer davon aus, dass ohne Sklerostin „vermehrt Knochen aufgebaut” und die „Knochenstabilität verbessert” werde.

Gemeinsam mit der TU Dresden und dem Biotech-Unternehmen Amgen konzipierten die Beteiligten eine Studie, bei der die Sklerostin-Produktion durch eine Antikörpertherapie unterbunden werden sollte. Hierfür erhielten zwei Testgruppen von Ratten über einen Zeitraum von zwölf Wochen täglich zwei Infusionen. Bei der einen Testgruppe handelte es sich um Tiere, die infolge einer Diabeteserkrankung unter stark beeinträchtigter Knochenregeneration litten. Die zweite, gesunde Testgruppe wies hingegen eine normale Knochenregeneration auf.

Nach Abschluss der mehrwöchigen Tests konnten die Wissenschaftler bei beiden Gruppen einen verbesserten Knochenwuchs und eine deutlich erhöhte Stabilität der Knochen feststellen. „Die Sklerostin-Antikörpertherapie steigerte die Masse und Festigkeit des gesamten Skeletts, sowohl bei den Diabetestieren als auch bei den normalen Ratten”, erklärt die Leiterin der Studie Christine Hamann. Vor allem über die „beschleunigte Knochenheilung nach einem Knochenbruch” zeigt sich die Orthopädin erstaunt. In der Spitze betrug die Steigerung der Stabilität der Knochen 86 Prozent. Und das „ohne Nebenwirkungen”, betont Hamann.

Im nächsten Schritt planen die Ärzte eine weitere Testphase. Ab Januar 2013 wollen die Forscher das Verfahren bei Frauen mit Osteoporose, im Alter zwischen 60 und 90 Jahren, anwenden. Sollten die Ergebnisse ähnlich positiv ausfallen wie bei den vorangegangenen Tests, stünde der Zulassung von entsprechenden Medikamenten nichts mehr im Wege. Die Medikamente könnten dann neben der Therapie von Osteoporosepatienten auch bei der Behandlung von herkömmlichen Knochenbrüchen zum Einsatz kommen.

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