Hygiene

Krankenhauskeime: Neue Antibiotika unterbinden Ausbreitung

Mit der Ausschaltung des sogenannten Elongationsfaktors P (EF-P), der in den Krankenhauskeimen enthalten ist, haben die Ärzte einen neuen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Antibiotika gefunden, der die Proteinproduktion der eigenen Körperzellen schützt.

Keime stellen eine große Gefahr in deutschen Krankenhäusern und Altenheimen dar. Jedes Jahr erkranken dort 600.000 Menschen an bakteriellen Infektionen. Rund ein Viertel davon stirbt an den Folgen. Die Keime sind oftmals gegen eine Vielzahl von Medikamenten resistent. Sie lassen sich daher nur schwer behandeln. Beispielsweise geht viel Zeit bei der Suche nach wirksamen Antibiotika verloren. Umso wichtiger ist die Entwicklung neuer Medikamente, gegen die die Keime noch keine Resistenzen ausgebildet haben.

Ärzte des Göttinger Max-Planck-Instituts haben sich dieser Aufgabe angenommen. Die Forscher suchten gezielt nach einer Schwachstelle der Erreger. Sie fanden diese in ihrer Proteinproduktion. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Aktivität von Salmonellen oder Colibakterien unter bestimmten Bedingungen abnimmt. Dazu entzogen sie Testbakterien den sogenannten Elongationsfaktor P (EF-P). Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion von Proteinen. „Allerdings wissen wir, dass die meisten Proteine ganz ohne EF-P hergestellt werden”, erklärt Marina Rodnina vom Max-Planck-Institut. Die Forscher mussten somit diejenigen Proteine ausfindig machen, die nur mit Hilfe von EF-P gebildet werden können.

Neue Erkenntnisse helfen beim Kampf gegen multiresistente Krankenhauskeime. (Foto: Flickr/Gov/Ba)

Neue Erkenntnisse helfen beim Kampf gegen multiresistente Krankenhauskeime. (Foto: Flickr/Gov/Ba)

Die Forscher Ingo Wohlgemuth und Lilli Dörfel begaben sich daher auf die Suche. Davon erhofften sich die Ärzte zusätzliche Erkenntnisse über die Funktion des Proteins. Unter den 4000 in den Bakterien produzierten Proteinen fanden die Wissenschaftler 270, die nur in Abhängigkeit von EF-P produziert werden können. Alle wiesen dabei eine Gemeinsamkeit auf. Sie verfügten über eine bestimmte Aminosäure-Kombination. Aminosäuren sind die Bausteine, aus denen die Zellen Proteine fertigen. Die entscheidende Aminosäure nennt sich Prolin. „Prolin-reiche Proteine sind nicht nur für das Wachstum der Bakterien wichtig”, erläutert Wohlgemuth. „Sie bilden auch gefährliche Angriffswerkzeuge von Salmonellen oder vom enterohämorrhagischen E. coli-Bakterium (EHEC)”, so der Forscher. Ohne EF-P reduziert sich somit die Aggressivität von Krankheitserregern. Ihre Ausbreitung wird verlangsamt.

Mit der Ausschaltung von EF-P haben die Ärzte einen neuen Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Antibiotika gegen Krankenhauskeime. „EF-P kommt zwar auch in den Zellen unseres Körpers vor, doch unterscheidet es sich in wichtigen Details”, erläutert Rodnina. Mit entsprechenden Medikamenten könnten daher Keime bekämpft werden, „ohne die Proteinproduktion unserer eigenen Zellen zu hemmen”.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *