Krebs

Leukämie: Wirkstoffträger erhöht Effizienz von Medikamenten

Arzneimittel lassen sich vor frühzeitigem Abbau durch den Körper schützen, indem sie mit proteinartigen Schutzzellen ausgestattet werden und erst an den Tumorzellen freigesetzt werden. Die notwendige Dosis kann deshalb reduziert werden.

In der Zeit zwischen der Einnahme eines Medikaments bis zu seiner Wirkung wird ein Teil der Inhaltsstoffe vom Körper abgebaut. Die Dosierung muss deshalb entsprechend erhöht werden, um einen ausreichenden Effekt gegen eine Krankheit zu erzielen. Im Rahmen einer Forschungskooperation haben Ärzte des Uniklinikums Ulm und des Comprehensive Cancer Center Ulm (CCCU) jetzt ein Transportsystem für krebshemmende Wirkstoffe entwickelt.

Dieses sorgt dafür, dass Doxorubicin (DOX) nahezu verlustfrei an Krebszellen herangebracht werden kann. Bei DOX handelt es sich um ein sogenanntes Anthrazyklin. Anthrazykline sind wichtige Bestandteile von Medikamenten gegen Akute Myeloische Leukämie (AML). Diese Form des Blutkrebs tritt vor allem bei älteren Menschen auf. Ohne Behandlung kann die Krankheit innerhalb weniger Wochen zum Tod führen. Durch eine schnelle Therapie mit DOX oder anderen Anthrazyklinen lässt sich der Krebs in 80 Prozent der Fälle heilen. Dabei treten jedoch negative Nebenwirkungen auf. Beispielsweise können die Medikamente zu Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz führen. Daher gilt es, die Dosis so gering wie möglich zu halten.

Christian Buske und sein Team haben einen Wirkstoffträger für Medikamente gegen Blutkrebs entwickelt. (Foto: Universität Ulm)

Christian Buske und sein Team haben einen Wirkstoffträger für Medikamente gegen Blutkrebs entwickelt. (Foto: Universität Ulm)

Mit ihrem Nano-Transportsystem konnten die Forscher Tanja Weil, Christian Buske und Michaela Feuring-Buske jetzt genau das erreichen. „Einen vielseitig einsetzbaren Träger, der Wirkstoffe gezielt mit einem hohen Therapieerfolg in Krebszellen transportiert und wenige Nebenwirkungen verursacht, gab es noch nicht”, sagen die Entwickler. Bei den mikroskopischen Transportern handelt es sich um Biopolymere. Diese synthetischen Träger werden in lebenden Zellen gezüchtet und sind menschlichen Proteinen nachempfunden. Sie besitzen eine spezielle Zwiebelstruktur mit mehreren Schutzschichten. In ihnen gelangt das DOX sicher zu den Tumorzellen. Dort angekommen, wird es freigesetzt. Die Wirkstoffmenge kann entsprechend reduziert werden, da sie unterwegs kaum abgebaut wird.

Die ersten Versuche an Mäusen mit Blutkrebs verliefen vielversprechend. Mit dem Transportsystem behandelte Tiere wiesen eine signifikant erhöhte Überlebensquote auf. „Das Biopolymer könnte dabei helfen, die nächste Generation von Chemotherapeutika noch effektiver und sicherer zu machen”, erläutert Tanja Weil die bisherigen Resultate. Bis die Nano-Transporter auch im menschlichen Körper zum Einsatz kommen können, sind jedoch weitere Studien nötig. Beispielsweise muss die Wirkung der Biopolymere auf den Menschen untersucht werden. Indes arbeiten die Forscher daran, das Transportsystem auch in Verbindung mit anderen Wirkstoffen einzusetzen. „Aus klinischen Studien ist bekannt, dass Leukämiezellen auf Chemotherapiekombinationen besser ansprechen als auf Monotherapien”, so Christian Buske.

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