Analyse

Preiskampf sorgt für Mangel bei Arzneimitteln

Deutsche Krankenhäuser und Apotheken haben mit Lieferengpässen von Medikamenten zu kämpfen. Schuld daran seien die Produktionen im Ausland und die Rabattverträge der Industrie mit den Krankenkassen. Der Hessische Apothekenverband (HAV) bemängelt diese Geiz ist geil-Mentalität, die auf Kosten der Gesundheit geht.

Nach Informationen der FR haben sich die medizinischen Fachverbände in einem Brief an führende Gesundheitspolitiker von Bund und Ländern gewandt. Inhalt des Schreibens sind die zunehmenden Probleme bei der Versorgung mit Medikamenten. Deutsche Krankenhäuser hatten schon länger mit Lieferengpässen zu kämpfen. Inzwischen sind aber auch Apotheken davon betroffen. Das berichtet der Hessische Apothekenverband (HAV).

Unter den knappen Arzneimitteln befinden sich neben wichtigen Antibiotika auch lebensnotwendige Krebsmedikamente. „Seit mehreren Monaten haben wir Probleme bei Antibiotika, bei Bronchialpharmaka, aber auch bei Heparinspritzen zur Vorbeugung von Thrombosen”, erklärt der Vorsitzende des HAV, Hans Rudolf Diefenbach. In einigen Fällen mussten stationäre Patienten sogar schon auf andere, weniger wirksame Medikamente umgestellt werden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) beklagt daher, dass bei einer weiteren Verschärfung der Situation „die Versorgung von schwerstkranken Patienten mit den notwendigen Arzneimitteln nicht mehr sichergestellt” werden könne.

Der Branchenverband der Pharmahersteller Pro Generika sieht die Situation gelassen. In einem Interview mit dem MDR ließ dessen Geschäftsführer Bork Bretthauer verlauten, dass er keine systematischen Versorgungsengpässe in Deutschland sehe. Vielmehr handele es sich bei den Lieferproblemen um Einzelfälle. Nach Ansicht des HAV liegt jedoch ein grundsätzliches Problem vor. Die Hersteller stehen unter großem Kostendruck. Daher auch die Verlagerung der Fertigung ins günstige Ausland. „Fällt dort die Produktionsanlage aus oder der Hersteller stellt seinen Betrieb ein, ist das natürlich mit Konsequenzen verbunden”, so Diefenbach. Um weitere Kosten zu sparen, beschränkt sich die Lagerhaltung bei den Herstellern auf ein Minimum. Zusätzlich sorgen die Rabattverträge der Industrie mit den Krankenkassen dafür, dass nur der billigste Produzent den Zuschlag erhält. Die Lieferfähigkeit spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

„Diese Geiz ist geil-Mentalität auf Kosten der Gesundheit ist menschenunwürdig”, bemängelt der HAV-Vorsitzende. An dieser Stelle sieht er den Staat in der Pflicht, für eine angemessene Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten zu sorgen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schlägt beispielsweise ein zentrales Melderegister für knappe Arzneimittel vor. Inzwischen hat das Bundesgesundheitsministerium Gespräche mit Branchenvertretern angekündigt.

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