Rücken

Schiene korrigiert Fehlbildung der Wirbelsäule

Eine mitwachsende Wirbelsäulenschiene gleicht Folgen von kindlicher Skoliose aus, und macht viele Operationen überflüssig. Die Schiene wird individuell an die Anatomie des Kindes angepasst.

Das neue System wurde erstmals an der Berliner Charité eingesetzt. Bei kleinen Kindern können Verkrümmungen der Wirbelsäule begradigt werden. Neben seitlichen Fehlstellungen verhindert die Schiene auch Verdrehungen der Wirbel untereinander. Liegt gleichzeitig eine seitliche und rotative Fehlbildung der Wirbelsäule vor, spricht man von einer Skoliose. Die Krankheit erweist sich als umso schlimmer, je früher sie auftritt. Je mehr ein Mensch wächst, desto stärker bildet sich auch die Skoliose aus. Gerade bei Kleinkindern ist daher eine frühzeitige Behandlung entscheidend.

Bisherige Methoden konnten zwar der Verkrümmung entgegenwirken. Doch mussten die dabei  eingesetzten Implantate regelmäßig ausgetauscht werden, um sie dem schnellen Wachstum der Wirbelsäule anzupassen. Beim neuen Therapieverfahren ist dies nicht mehr nötig. Ihre besondere Konstruktion erlaubt es den Implantaten, sich mit der Wirbelsäule zu bewegen.

Durch die rechtzeitige Anbringung eines Implantats lässt sich die Fehlstellung der Wirbelsäule korrigieren. (Foto: Wikimedia/Rigo M, Negrini S, Weiss HR, Grivas TB, Maruyama T, Kotwicki T)

Durch die rechtzeitige Anbringung eines Implantats lässt sich die Fehlstellung der Wirbelsäule korrigieren. (Foto: Wikimedia/Rigo M, Negrini S, Weiss HR, Grivas TB, Maruyama T, Kotwicki T)

Bevor sie eingesetzt werden können, wird die Krümmung zunächst operativ korrigiert. An beiden Enden der Skoliose wird dann jeweils eine Schraube angebracht, um eine stabähnliche Schiene zu installieren. „Am oberen und unteren Ende wird der Stab in die Öffnungen der Schrauben geschoben, der Stab liegt dann locker darin”, erklärt Michael Putzier, Leiter der Wirbelsäulenchirurgie an der Charité. Der Stab selbst ist steif. Durch die beiden Öffnungen an den Schrauben kann die Wirbelsäule aber weiterhin der Länge nach wachsen. Wie auf einer Schiene schiebt sie sich so gerade am Stab entlang.

Das Metallimplantat ist nur 4,5 Millimeter dünn. Je nach Anatomie des Kindes und Ausformung der Skoliose muss es individuell gefertigt werden. Ist es einmal installiert, sind keine weiteren Operationen nötig. Bisherige starre Implantate mussten rund alle sechs Monate erneuert und dem Wachstumsfortschritt angepasst werden. Bis die Wirbelsäule ausgewachsen war, bedurfte es daher zwischen 14 und 16 Operationen. Das neue System kann bei Kindern von drei bis zehn Jahren angewendet werden. Für ältere und jüngere Patienten ist die Technik nicht zugelassen.

In Deutschland leiden rund 800.000 junge Menschen unter einer Skoliose. Je nach Ausprägung der Krankheit drohen gesundheitliche Schäden. Beispielsweise könnten innere Organe eingequetscht oder die Leistung des Herz-Kreislauf-Systems herabgesetzt werden. „Mit dem mitwachsenden System müssen die Kinder im Idealfall nur zweimal operiert werden: Zur Implantation und nach Beendigung des Wirbelsäulenwachstums”, erklärt Putzier und fügt hinzu, dass die neue Technik „eine ganz erhebliche Erleichterung für die kleinen Patienten” bedeute.

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