Hören

Taubheit: Mikroimplantate reparieren menschliches Gehör

Bisherige Operationsverfahren erforderten eine großflächige Öffnung des Schädelknochens, um das Implantat im Innenohr einfügen zu können. Beim neuen Verfahren genügt hingegen schon ein kleines Loch über dem Ohr.

Durch eine neue Implantationstechnologie kann Schwerhörigen bald eine höhere Lebensqualität versprochen werden. Entwickelt wird die Technik von Marco Caversaccio und Stefan Weber. Im Projekt Image-guided Micro Surgery For Hearing Aid Implantation erarbeiten die beiden Forscher der Universität Bern ein robotergesteuertes Operationsverfahren. Dabei wird einem Patienten eine Elektrode an die Hörschnecke (Cochlea) implantiert. Das elektronische Bauteil sorgt dafür, dass die Gehörnerven angeregt werden. So lassen sich auch schwere Hörschäden beheben.

Durch einen kleinen, chirurgischen Eingriff lassen sich schwere Gehörschäden beheben. (Foto: Wikimedia/Shaun McWhinney)

Durch einen kleinen, chirurgischen Eingriff lassen sich schwere Gehörschäden beheben. (Foto: Wikimedia/Shaun McWhinney)

Bisherige Operationsverfahren erforderten eine großflächige Öffnung des Schädelknochens, um Implantate einfügen zu können. Beim neuen Verfahren genügt hingegen schon ein kleines Loch über dem Ohr. Der bisherige Verlauf der Tests zeigt, dass Roboter bereits über die nötige Präzision verfügen, um derartige Eingriffe vorzunehmen. Aktuell arbeiten die Wissenschaftler noch an der nötigen Sicherheit des Systems. Zu jedem Zeitpunkt der Operation muss ein Computer gewährleisten, dass sich der Bohrer an der richtigen Position befindet. Vor allem muss ausreichend Abstand zu wichtigen Nerven eingehalten werden.

Die Operationsmethode bringt einige Vorteile für die Patienten. Das Implantat kann schon unter leichter Narkose eingebracht werden. Ein Patient könnte die Klinik noch am Tag des Eingriffs wieder verlassen. Der Personenkreis, der von der innovativen Methode profitieren könnte, ist breit. Rund ein Viertel aller Menschen über 45 Jahren leiden unter einem beeinträchtigten Gehör. Zunehmend sind auch Jugendliche und Kinder davon betroffenen. Das Verfahren kann aber auch bei Neugeborenen eingesetzt werden, die taub oder schwerhörig auf die Welt kommen. Eine erste klinische Studie wollen die beiden Wissenschaftler bald bei den Schweizer Behörden einreichen.

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