Medikamente

Zu hohe Arznei-Kosten: Apotheker kritisieren Krankenkassen

Der „Gebühren-Wucher in der Apotheke“ kostet Versicherte immer mehr Geld. Die Apotheker machen die Krankenkassen dafür verantwortlich. Auf die Höhe der Zuzahlungen hätten die Apotheken keinen Einfluss. Die Krankenkassen dagegen hätten es selbst in der Hand, ihre Versicherten bei Rabattverträgen zuzahlungsfrei zu stellen.

Die Zuzahlung für verschreibungspflichtige Medikamente auf Rezept ist laut Angaben des Deutschen Apothekerverbands (DAV) im Jahr 2012 bundesweit im Durchschnitt um zehn Cent auf 2,60 Euro angestiegen. In der Summe macht dies einen Gesamtanstieg der Kosten um fast zwei Milliarden Euro aus. Auf Nachfrage der Deutschen Gesundheits Nachrichten, warum verschreibungspflichtige Medikamente für gesetzlich Krankenversicherte immer teurer werden, antwortet ein Sprecher des Deutschen Apothekerverbandes, man müsse „zwischen den Arzneimittelausgaben der Kassen und den Zuzahlungen der Patienten unterscheiden“. So seien die effektiven Arzneimittelausgaben der Krankenkassen im Jahr 2011 gesunken. Im selben Jahr jedoch seien gleichzeitig die Zuzahlungen der gesetzlich krankenversicherten Patienten gestiegen, was die effektiven Kassenausgaben habe sinken lassen.

Die Kunden müssen bald wieder tiefer in die Tasche greifen. Medikamente werden immer teurer. (Foto: Flickr/Genista)

Die Kunden müssen bald wieder tiefer in die Tasche greifen. Medikamente werden immer teurer. (Foto: Flickr/Genista)

Auf der anderen Seite können die Krankenkassen Milliarden-Überschüsse von fast 20 Milliarden Euro vorweisen, wie bereits zu Anfang dieses Jahres bekannt geworden war. Auch wenn die meisten gesetzlich versicherten Patienten in Deutschland durch den nächstes Jahr in Kraft tretenden Wegfall der Praxisgebühr wahrscheinlich erst einmal besänftigt sein dürften, könnte eine Verteuerung der verschreibungspflichtigen Medikamente bei ihnen dennoch Verdrossenheit hervorrufen. Der DAV teilt diese Sorge: Den Unmut vieler Patienten rufe es zumindest hervor, „wenn die Krankenkassen den Apothekern immer weiter in die Taschen greifen wollen“. Allerdings hätten Patienten in persönlichen Gesprächen bei vielen lokalen Protestaktionen ihr Verständnis für die Situation ihrer Apotheker vor Ort gezeigt.

Noch 2009 mussten die Bürger durchschnittlich nur 2,30 Euro für ihre Medikamente zuzahlen. Dies entspricht einem Zuwachs um etwa 13 Prozent innerhalb von nur drei Jahren und lässt bei einer ähnlichen Preisentwicklung erahnen, dass die Arzneien in zwei Jahrzehnten schon fast das Doppelte kosten könnten. Nach Ansicht des DAV ist der Anstieg der gesetzlichen Zuzahlungen „unerfreulich für die Patienten“. Denn die Apotheken müssten „das Geld jeweils einsammeln und komplett an die Krankenkassen weiterleiten“. Auf die Höhe der Zuzahlungen hätten die Apotheken jedoch keinen Einfluss. Die Krankenkassen hätten es aber selbst in der Hand, ihre Versicherten bei Rabattverträgen zuzahlungsfrei zu stellen.

Bleibt die Frage, wie einem weiteren Preisanstieg überhaupt, etwa von Seiten der Politik, entgegengewirkt werden kann. Hierzu bekräftigt der DAV noch einmal, dass die Apotheken selbst „keinen Einfluss auf die Arzneimittelpreise“ hätten, da sich diese nach der Arzneimittelpreisverordnung ergeben würden. Mit dem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) habe der Gesetzgeber jedoch bereits mehrere Maßnahmen zur Ausgabenbegrenzung getroffen. Das betreffe die Nutzenbewertung und Erstattungsbeträge von neuen Arzneimitteln.

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