Klinik

Rauchen schädigt das Gehirn stärker, als erwartet

Nikotin hat stärkere Auswirkungen auf das menschliche Gehirn, als bislang angenommen. Neue Medikamente können bei einer Rauchentwöhnung helfen, die Entzugssymptome und andere psychische Folgen des Nikotinkonsums zu reduzieren.

Rauchen ist eine Volkskrankheit, die Jahr für Jahr mehr Menschenleben fordert und die Kosten des Gesundheitssektors in die Höhe treibt. Jedes Jahr sterben rund fünf Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Berechnungen gehen davon aus, dass sich die Zahl bis zum Jahr 2030 verdoppeln wird.

Aber auch das Leben in der Abhängigkeit von Nikotin führt zu Problemen: Bis zu 90 Prozent der Raucher gestehen sich ein, nur sehr schwer auf Nikotin verzichten zu können. Drei Viertel aller Raucher versuchen die Gewohnheit aufzugeben, aber nur wenigen gelingt dies.

Raucher kommen nur schwer wieder von ihrer Gewohnheit los. (Foto: Flickr/TheRealDavidFrancis)

Raucher kommen nur schwer wieder von ihrer Gewohnheit los. (Foto: Flickr/TheRealDavidFrancis)

Forschungen beschäftigen sich schon seit langem mit der Wirkungsformel des Nikotins auf das menschliche Gehirn. Die Funktionsweise des Wirkstoffes konnte jedoch noch nicht endgültig entschlüsselt werden. Einen kleinen Beitrag auf dem Weg zu einem besseren Verständnis der Langzeitfolgen von Nikotinkonsum lieferten jetzt Wissenschaftler der Universitäten aus Zürich und Bern.

Die dramatischen und langanhaltenden Folgen des Zigarettenrauchens äußern sich durch das Vorhandensein durch die Zusammensetzung des Gehirnbotenstoffes Glutamat, der für die Entwicklung von Suchtverhalten von Nikotin- und Kokainkonsumenten verantwortlich ist. Suchtverhalten ist ein Lernprozess, der das Glutamat-System verändern kann.

Bei ihrer Studie haben die Forscher die Glutamat-Systeme von Rauchern, Ex-Rauchern und Nichtrauchern untersucht und festgestellt, dass ein bestimmtes Protein aus dem Glutamat-System bei Rauchern um bis zu 30 Prozent weniger häufig vorkommt als bei Nichtrauchern. Auch Ex-Raucher, die im Schnitt 25 Wochen abstinent waren, wiesen noch einen Mangel des sogenannten Glutamat-Rezeptors 5 von bis zu 20 Prozent auf.

„Diese Veränderung des Glutamat-Systems bei Rauchern ist im Ausmaß und in der Verteilung weit größer, als man bisher angenommen hat“, erläutert Gregor Hasler von den Universitären Psychiatrischen Diensten in Bern. Die nur langsame Konsolidierung des Glutamat-Systems trage „zu der sehr hohen Rückfallrate bei Ex-Rauchern bei“, so Hasler.

Durch die Entwicklung bestimmter auf den Glutamat-Rezeptor 5 einwirkender Medikamente könnten „die Entzugssymptome und andere psychische Folgen des Nikotinkonsums“ reduziert werden, sagt Hasler. So könnte die Entwöhnung von dem Suchtstoff ohne die bekannten Nebenwirkungen wie Unruhe, Gereiztheit, Angst, Lustlosigkeit, Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Konzentrationsstörungen, Hungergefühl und Gewichtszunahme vonstattengehen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. WARUM ist es dann noch immer legal, unbeteiligten, selbst gegen deren ausdrücklichen Willen, diesem Tabakqualm auszusetzen.