Patientenverfügung

Gespräche über den Tod: Ärzte erhalten Erinnerung per E-Mail

Krebsärzte sollten mit ihren schwerkranken Patienten rechtzeitig über deren Wünsche nach einer Patientenverfügung reden, um Fehlbehandlungen zu vermeiden. Eine Studie hat ergeben, dass sich die meisten todkranken Patienten an ihrem Lebensende keine aggressiven lebenserhaltenden Maßnahmen wünschen.

Per E-Mail sollen Krebsärzte daran erinnert werden, rechtzeitig mit todkranken Patienten über ihre Wünsche in Bezug auf ihr Lebensende zu sprechen und diese Wünsche entsprechend in den Krankenakten zu vermerken. Denn diese Erinnerung verdopple die Wahrscheinlichkeit, dass solche Gespräche tatsächlich stattfinden, bevor die Patienten zu krank werden, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine amerikanische Studie.

Sei der Patient erst einmal in einer medizinischen Notlage und seine medizinischen Wünsche unklar,  dann ergebe sich „eine schwierige Situation für den Arzt und die Familie“, sagte Jennifer Temel, die Leiterin der Studie.

Die ärztliche Beratung soll sicherstellen, dass die Behandlung der Patienten den Wünschen der schwerkranken Patienten erfolgt. (Foto: Flickr/hang_in_there)

Die ärztliche Beratung soll sicherstellen, dass die Behandlung der Patienten den Wünschen der schwerkranken Patienten erfolgt. (Foto: Flickr/hang_in_there)

Gewöhnlich warten Ärzte zu lange damit, die Wünsche der Patienten in Bezug auf ihr Lebensende in Erfahrung zu bringen. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob der Patient reanimiert werden möchte oder andere lebensverlängernde Maßnahmen wünscht. Erinnerungen per E-Mail könnten solche Diskussionen rechtzeitig anstoßen. „Alle sind der Ansicht, dass es besser ist, diese Gespräche zu führen, wenn die Menschen noch nicht so krank sind“, so Temel.

Temel und ihre Kollegen untersuchten in ihrer Studie die Behandlung von 100 Menschen, die fortgeschrittenen Lungenkrebs hatten. Als erstes befragten sie die Ärzte und Krankenschwestern, wie sie die Gespräche über das Lebensende mit ihren Patienten führen und wie sie daran erinnert werden möchten. Auf dieser Grundlage entwickelten die Forscher dann ein E-Mail-System, das die Ärzte an das Gespräch zum Lebensende erinnerte, wenn sie einen Termin mit einem Patienten hatten.

Ein Jahr nach Beginn der Erinnerungen per E-Mail standen für mehr als ein Drittel der Menschen ihre Wünsche zum Lebensende in ihren elektronischen Krankenakten. Im Vergleich dazu hatten ohne Erinnerung per E-Mail weniger als 15 Prozent der Menschen, die von unheilbarem Lungenkrebs betroffen waren, ihre Wünsche schriftlich niedergelegt, bevor sie ins Krankenhaus kamen, so die Forscher.

Die meisten Patienten, die ihre Wünsche festgehalten hatten, wollten übrigens keine aggressiven lebenserhaltenden Maßnahmen, so die Studie. Und wenn über diese Dinge nicht gesprochen werde, dann erhielten Patienten mitunter eine sehr kostspielige medizinische Behandlung, die sie gar nicht wollten.

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