Analyse

Jeder dritte Patient ist mit seinem Arzt unzufrieden

Viele Patienten empfinden die Beratungs- und Behandlungszeit, die ihnen der Arzt zur Verfügung stellt, als zu kurz. Der Grund dafür seien falsche Anreize im Gesundheitssystem. Bisher sind Ärzte gezwungen, so viele Patienten wie möglich einzubestellen, um Umsatz zu machen.

Einer neuen Umfrage zufolge fühlen sich viele Deutsche nicht gut von ihrem Arzt beraten. Fast jeder Dritte gab an, dass die Beratungs- und Behandlungszeit, die ihnen der Arzt zur Verfügung gestellt habe, zu kurz gewesen sei.

Das berichtet die Marktforschungsanstalt GfK unter Berufung auf eine Befragung von 1.000 Menschen. Die repräsentative Umfrage ergab, dass eher ältere und alleinstehende Menschen sich von ihrem Arzt nicht gut genug behandelt fühlen. Auffällig ist auch, dass mehr Frauen als Männer dieser Ansicht sind.

Die durchschnittliche Dauer einer Behandlung in deutschen Arztpraxen beträgt etwa elf Minuten. Bei einem Fünftel der Befragten waren es 15 Minuten. Weitere zwanzig Prozent gehen davon aus, dass sich ihr Arzt lediglich fünf Minuten Zeit für sie nimmt.

Grund für den Zeitmangel der Ärzte seien falsche Anreize im Gesundheitssystem, erklärt Gesundheitsökonom Peter Oberender einem Bericht der Welt zufolge. Ärzte erhielten eine pauschale Vergütung, die den Gesprächsanteil nicht berücksichtige. Dieser werde daher eher kurz gehalten. Stattdessen würden lieber Geräte und Behandlungen zum Einsatz kommen, die separat abgerechnet werden könnten.

„Um Umsatz und Gewinn zu machen, sind Ärzte letztlich gezwungen, so viele Patienten wie möglich einzubestellen“, ergänzt Ferdinand Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats Gesundheit. Ein neues Vergütungssystem für Ärzte müsste auf Prävention und Früherkennung ausgerichtet werden. Der Einsatz für die Gesundung des Patienten müsse belohnt werden, so Gerlach.

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