Wirtschaft

Der moderne Arzt: Noch Mediziner oder schon Manager?

Früher waren Ärzte noch hauptsächlich mit der Behandlung ihrer Patienten beschäftigt, heute kommen mehr Aufgaben hinzu. Der Grund für die derzeitige Mehrbelastung der Ärzte sei vor allem die Einführung des Systems für Diagnosebezogene Fallgruppen (DRG).

Von den deutschen Ärzten werden zunehmend Kompetenzen verlangt, die über das Medizinische weit hinausgehen und über Erfolg oder Misserfolg eines Krankenhauses, einer Praxis und natürlich die berufliche Laufbahn eines Arztes entscheiden können. Dies hat weitreichende Konsequenzen, besonders für die deutschen Krankenhäuser.

Laut einer Veranstaltung von Medizinern und Vertretern des Gesundheitswesens Ende des vergangenen Jahres in Mannheim sei der Grund für diese Mehrbelastung vor allem die Einführung des Systems für Diagnosebezogene Fallgruppen (DRG). In diesem System werden Patienten anhand ihrer medizinischen Daten und Diagnosen in unterschiedliche Gruppen klassifiziert und mittels ihrer ökonomischen Ähnlichkeit zugeordnet. Jeder neue Krankheitsfall wird neu bewertet und entscheidet über die Einteilung eines Patienten in eine der unterschiedlichen Abrechnungsgruppen.

Was ist das Beste für den Patienten? Therapien leiden oft unter dem Wirtschaftszwang der Kliniken und Ärzte. (Foto: Wikimedia/Rhoda Baer)

Was ist das Beste für den Patienten? Therapien leiden oft unter dem Wirtschaftszwang der Kliniken und Ärzte. (Foto: Wikimedia/Rhoda Baer)

Die Krankenhausversorgung unterliegt in diesem Zusammenhang einem strukturellen Wandel. Die Kliniken müssen wirtschaftlich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln umgehen, nur so kann eine hochwertige Versorgung für alle Patienten sichergestellt werden. Das führt zur ökonomischen Verantwortung der Fachabteilungen. Medizin und Ökonomie bedingen einander.

Dies steht in starkem Kontrast zu dem Wohl der Patienten, die über die Wirtschaftlichkeit in Vergessenheit zu geraten drohen. Die Therapiefreiheit des Arztes soll zwar der wirtschaftlichen Verantwortung vorausgestellt werden, in der Praxis wird dieser Grundsatz aber immer wieder im Kontext von begrenzten Ärzte-Budgets in Frage gestellt.

Die Frage nach der Qualität der medizinischen Behandlung stellt sich auch aus einer fachlichen Perspektive in aller Deutlichkeit: In der psychiatrischen Behandlung sind die Qualitätsindikatoren zur Bewertung des medizinischen Standards beispielsweise hoch umstritten. Die Bewertung und Messbarkeit von Erfolgen und die Wirtschaftlichkeit von Therapien sind immer zurückzuführen auf den Gemütszustand des Patienten, welcher wiederum nur bedingt gemessen werden kann.

Es gibt auch ausgefallene Strategien, die die Behandlungskosten senken sollen: In Pflegeheimen werden beispielsweise todkranke Patienten in Kliniken überwiesen, um die Mortalitätsrate zu senken. Solche Manipulationsstrategien gehören auch zur neuen Wirtschaftlichkeit des deutschen Gesundheitssystems.

Auf der Tagung in Mannheim wurde zudem noch die Delegation ärztlicher Leistungen diskutiert, die anhand der immer weiter voranschreitenden Verdichtung der Aufgaben bei den Medizinern einen Wandel des deutschen Gesundheitssystems hin zu mehr Privatisierung wahrscheinlich werden lässt. Die Bundesärztekammer hat diese Delegation der Leistungen aber stark eingegrenzt: Die Weiterleitung des Patienten an nichtärztliche Mitarbeiter, deren Auswahl, Anleitung, Koordination und Kommunikation, Durchführungs- und Erfolgskontrolle sowie deren Dokumentation, muss vollständig in der Verantwortung des Arztes bleiben.

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