Ärzte

Honorar-Streit in Thüringen muss vor das Schiedsamt

Die Krankenkassen weigern sich, den Ärzten einen erhöhten Morbiditätsfaktor zuzugestehen. Nun soll das Schiedsamt die Rechtslage klären. Denn auch die Ärzte haben höhere Risiken und tragen höhere Kosten durch die Behandlung von Patienten mit einem hohen Morbiditätsfaktor.

Trotz konstruktiver Gespräche konnte die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) keine Einigung mit den Krankenkassen im Streit um die Erhöhung der Ärzte-Honorare erlangen. Die Ärzte fordern im Kern eine Erhöhung des sogenannten Morbiditätsfaktors (auch Gewichtungsfaktor Versichertenstruktur oder Altersstrukturquote genannt). „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage“, sagt Arnim Findeklee vom Verband der Ersatzkassen (vdek) in Thüringen. „Wir sind an einer grundsätzlichen Rechtsfrage gescheitert.“ Die soll nun das Schiedsamt klären.

Der Morbiditätsfaktor wird für jeden Patienten berechnet. Krankenkassen, die viele Kunden mit einem hohen Morbiditätsfaktor haben, bekommen einen Zahlungsausgleich von anderen Kassen, deren Kunden einen niedrigen Faktor aufweisen. Dies soll den Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Kassen sicherstellen und die Kosten für schwerkranke Patienten fairer gestalten.

Arnim Findeklee, Landes-Chef vom Verband der Ersatzkassen in Thüringen, wehrt sich gegen höhere Ärzte-Honorare. (Foto: vdek)

Arnim Findeklee, Landes-Chef vom Verband der Ersatzkassen in Thüringen, wehrt sich gegen höhere Ärzte-Honorare. (Foto: vdek)

Auch die Ärzte haben ein höheres Risiko und tragen höhere Kosten durch die Behandlung von Patienten mit einem hohen Morbiditätsfaktor. Auf Bundesebene wurde bereits ein Kompromiss für eine bessere Vergütung in solchen Fällen für die KV vereinbart, diese reicht den Ärzten jedoch nicht aus, berichtet die Ärzte-Zeitung.

In einem Rundbrief strebt die KV nach einer „Anpassung der unzureichenden Ausgangsbasis für den morbiditätsbedingten Behandlungsbedarf“. Der KV-Vorstand klagt an, dass „die Morbidität in den vergangenen Jahren in Folge strikter Kostendämpfung nicht adäquat berücksichtigt werden konnte, was zu hohen Überschüssen der Krankenkassen beitrug“.

Einen ähnlichen Fall gab es bereits in Sachsen-Anhalt. Dort entschied das Schiedsamt für die Ärzte. Eine Erhöhung ist demnach zusätzlich zu den Veränderungsraten für Morbidität und Demografie durchaus möglich.
Die Kassen bemängeln indes, dass das Gesamtvolumen der ärztlichen Honorare in einem Zeitraum von vier Jahren um 40 Prozent auf rund 931 Millionen Euro angeschwollen ist. Das ist bundesweit ein Spitzenumsatzwert pro Arzt.
Die Thüringer Ärzte entgegnen, dass sie auch ein Drittel mehr Patienten behandeln müssten, als dies im Bundesdurchschnitt üblich sei. Von Fall zu Fall sei Thüringen daher bundesweit das Schlusslicht, so die KV: Durchschnittlich erhält ein Arzt in Thüringen 51,60 Euro pro Patient. Im Bundesdurchschnitt sind es 59 Euro.

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