Gesundheit

Stress am Arbeitsplatz: Jeder Vierte macht nicht genug Pause

Der Stressbericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin identifiziert die häufigsten Stressfaktoren. Meist sind es psychische Belastungen wie Multitasking, Zeitdruck, Monotonie und Störungen am Arbeitsplatz, von der alle Hierarchien betroffen sind.

Nicht nur körperlich schwere Arbeit löst Stress aus, auch psychische Belastungen sind in der deutschen Arbeitswelt weit verbreitet. Dabei kennt die psychische Belastung keine Hierarchiegrenzen und geht quer durch alle Branchen: Multitasking, Zeitdruck, Monotonie und Störungen am Arbeitsplatz nehmen die Spitzenplätze als Auslöser von Stress bei Führungskräften und Mitarbeitern ein.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat für den Stressbericht 2012 die Entwicklungen in der Arbeitswelt beobachtet und mit einer früheren Studie aus 2006 verglichen. Dabei wurden 20.000 Beschäftigte zu ihren Arbeitsbedingungen, der Beanspruchung und der gesundheitlichen Verfassung befragt.

Stress am Arbeitsplatz kann krank machen. Anspruchsvolle Arbeit fördert aber auch die Gesundheit. (Foto: Flickr/chmeredith)

Stress am Arbeitsplatz kann krank machen. Anspruchsvolle Arbeit fördert aber auch die Gesundheit. (Foto: Flickr/chmeredith)

Die Zahlen über die psychische Belastung am Arbeitsplatz belegen, dass sich 58 Prozent der Beschäftigten von mehreren gleichzeitigen Tätigkeiten unter Druck gesetzt fühlen. Knapp mehr als die Hälfte der Befragten (52%) gab an, dass ein starker Termin- und Leistungsdruck sie belasten. Sich ständig wiederholende Arbeitsabläufe störten genau die Hälfte aller Teilnehmer der Befragung. Störungen am Arbeitsplatz machten noch 44 Prozent zu schaffen.

Dabei gaben 80 Prozent der Befragten an, in einem guten sozialen Klima zu arbeiten. Gegenseitige Unterstützung, Teamarbeit und ein Gemeinschaftsgefühl sind gute Mittel, Stress zu verarbeiten. Ein breiter Handlungsspielraum hilft den Beschäftigten auch, ihre Arbeit flexibel zu gestalten und Stressspitzen so zu umgehen.

Stress wird jedoch auch positiv bewertet, denn er kann die Gesundheit sogar fördern. So dienen positive Herausforderungen bei der Arbeit der Ausbildung des Selbstwertgefühls und sind somit auch gut für die Gesundheit der Arbeitskräfte. Problematisch wird es nur, wenn Arbeit dauerhaft überfordert. Mangelt es an Ressourcen wie Eigeninitiative oder sozialer Unterstützung, schätzen die Befragten ihren Gesundheitszustand allgemein als schlecht ein. Dies ist insbesondere bei Fertigungsberufen der Fall.

Ingenieure und Naturwissenschaftler sind in der Spitzengruppe bei den psychischen Belastungen vertreten. Trotzdem klagt diese Berufsgruppe am wenigsten über gesundheitliche Beschwerden. Größten Handlungsbedarf sieht das BAuA im Bereich der Erholung: Jeder vierte Befragte verzichtet wegen Stress am Arbeitsplatz auf die Einhaltung der Pausenzeiten. Ein weiterer Risikofaktor für die Gesundheit sind Umstrukturierungsprozesse in Unternehmen. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist im Gegensatz zum letzten Datensatz aber etwas gesunken.

„Der Stressreport Deutschland 2012 zeigt, dass es keine Lösung von der Stange gibt“, sagt Isabel Rothe, Präsidentin der BAuA. Die Unterschiede zwischen Berufen und Branchen seien einfach zu vielfältig. Allerdings werde der Handlungsbedarf aufgezeigt und Vorsorgekampagnen können gezielt auf die Herausforderungen zugeschnitten werden.

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