Dienstleistung

Telefonberatung: Die neue Dienstleistung der Physiotherapie

Lange Wartezeiten könnten bald der Vergangenheit angehören. In England genügt bereits ein Griff zum Telefon. In Deutschland gibt es bisher noch keine konkreten Pläne für ein entsprechendes Projekt.

Das britische Ärzteblatt hat eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass eine telefonische Beratung viele Physiotherapie-Sitzungen ersetzen kann. Der in der Studie belegte Erfolg ist mit der Beratung in einer Praxis in vielen Fällen vergleichbar. Viele britische Physiotherapeuten haben ihre Dienstleistungen bereits um einen telefonischen Service erweitert. Das Angebot wird gut angenommen, die Wartezeiten auf eine Therapiesitzung konnten damit deutlich reduziert werden.

Telefonische Beratungsgespräche bieten in erster Linie die Möglichkeit, den Patienten Ratschläge zur Selbsthilfe zu geben. Sowohl bei Patienten als auch bei den Physiotherapeuten stößt das Angebot auf breite Zustimmung. Englische Hausärzte stellten pro Jahr etwa 1,23 Millionen Rezepte für eine physiotherapeutische Behandlung aus. Das hatte Wartezeiten von einem Monat oder länger zur Folge und barg die Gefahr, dass viele Patienten ihre Termine gar nicht mehr wahrnahmen.

Es muss nicht immer der Besuch einer Physiotherapie-Praxis sein. Manchmal genügt auch der Griff zum Hörer. (Foto: wikimedia/SEppl)

Es muss nicht immer der Besuch einer Physiotherapie-Praxis sein. Manchmal genügt auch der Griff zum Hörer. (Foto: wikimedia/SEppl)

Die Studie hat erwiesen, dass die telefonische Beratung in vielen Fällen ausreichend war, da die Patienten sich nach der postalischen Zusendung von Informationsmaterial selbst helfen konnten. In der Studie wurden 2.256 erwachsene Patienten mit verschiedenen Beschwerden des Bewegungsapparates untersucht. Zwei Drittel von ihnen mussten den telefonischen Dienst in Anspruch nehmen, das dritte Drittel wurde zur herkömmlichen Therapie in die Praxis geschickt.

Die erste telefonische Beratung erhielten die Patienten nach sieben Tagen Wartezeit. Das kann im Vergleich zur Praxistherapie als erheblicher Erfolg gewertet werden, denn die konnte im Durchschnitt erst nach 34 Tagen erfolgen. Vielen war das zu lang. Fast die Hälfte der Praxispatienten nahm ihren Termin nicht wahr. Bei der telefonischen Variante lag die Abbruchquote lediglich bei 19 Prozent.

Auch musste nur die Hälfte der Patienten aus dieser Gruppe einen weiteren Termin vereinbaren, um die Therapie mit dem Therapeuten in der Praxis fortzusetzen. Bei der anderen Hälfte war dies nicht erforderlich. Und auch die Folgetermine konnten effizienter genutzt werden: die Patienten, die vorher eine telefonische Beratung in Anspruch genommen hatten, brauchten nur 1,91 Folgetermine (dagegen 3,11 Folgetermine ohne telefonische Beratung).

Die Therapie-Abbrecher konnten nicht abschließend befragt werden. Die Teilnehmer der beiden Gruppen waren jedoch in gleichem Maße zufrieden mit der Behandlung. Die Kontrollbefragungen nach sechs Wochen und sechs Monaten ergaben keine Erhöhungen der durchschnittlichen Krankheitsmeldungen. Hierzulande ist dagegen noch der Gang in die Praxis notwendig – denn konkrete Pläne für ein entsprechendes Projekt in Deutschland gibt es noch nicht.

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