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Bayer in der Kritik: Frankreich nimmt Pille vom Markt

Der Ruf des deutschen Pharma-Riesen Bayer steht auf dem Spiel. Die Antibabypille Diane-35 hat angeblich Todesfälle verursacht und soll innerhalb der nächsten drei Monate in Frankreich vom Markt genommen werden.

Die Antibabypille Diane-35 von der Bayer AG soll binnen drei Monaten in Frankreich vom Markt genommen werden, forderte Dominique Maraninchi, der Chef der französischen Arzneimittelaufsicht (ANSM). Dort sollen innerhalb der letzten 25 Jahre vier Frauen gestorben sein, die diese Pille eingenommen haben. Bei 125 weiteren kam es einem Bericht der NZZ zufolge ebenfalls zu Blutgerinnseln in den Venen und Arterien, die allerdings nicht tödlich waren.

Das Thrombose-Risiko der Antibabypille ist bereits seit ihrer Einführung vor 50 Jahren bekannt, doch sind nun angesichts der Todesfälle in Frankreich massive Proteste gegen den Hersteller des Medikamentes und die Arzneimittelbehörde ausgebrochen. Die Aktienkurse sind nach dem Bekanntwerden dieser Nachricht in den Keller gegangen. Nicht nur in Frankreich, auch in der Schweiz sind seit 1990 vier Frauen im Zusammenhang mit der Einnahme dieses Medikamentes gestorben, eine Rückrufaktion ist auch in der Schweiz im Bereich des Möglichen.

Dominique Maraninchi, Chef der französischen Arzneimittelaufsicht, will die Bayer-Pille vom Markt nehmen. Folgen bald andere EU-Länder diesem Beispiel? (Foto: Screenshot/DMN)

Dominique Maraninchi, Chef der französischen Arzneimittelaufsicht, will die Bayer-Pille vom Markt nehmen. Folgen bald andere EU-Länder diesem Beispiel? (Foto: Screenshot/DMN)

Für Bayer ist die drohende Aufhebung der Marktzulassung für Diane-35 keine große finanzielle Bedrohung: mit einem Jahresumsatz von etwa 180 Millionen Euro für 2011 gehört sie nicht zu den am meisten verkauften Medikamenten des Pharmaunternehmens. Das Multiple-Sklerose-Medikament Betaferon/Betaseron hat vergleichsweise einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro pro Jahr erzielt. Selbst bei einer EU-weiten Rückruf-Aktion wäre der finanzielle Schaden verkraftbar. Schon eher steht jedoch der Ruf von Bayer auf dem Spiel.

Erinnerungen kommen hoch an die Klagewelle gegen Bayer wegen der Nebenwirkungen der Antibabypillen Yasmin und YAZ in den USA im vergangenen Jahr. Einem Bericht von Bloomberg zufolge wurden knapp 12.000 Klagen gegen Bayer eingereicht. Ohne Schuldeingeständnis und ohne Haftungsanerkennung hat der Konzern in diesem Zusammenhang bereits etwa 750 Millionen Dollar an die Kläger ausbezahlt. Auch bei dem Verhütungsmittel Mirena ist eine neue Klagewelle aus den USA gegen Bayer abzusehen. Bei allen Medikamenten wird dem Konzern vorgeworfen, nicht ausreichend auf die Sicherheitsrisiken aufmerksam gemacht zu haben.

Die Medikamente YAZ, Yasmin und Mirena machen einen Jahresumsatz von schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro aus. Forderungen oder eine Rückrufaktion würden den Konzern vor ein nicht zu verachtendes finanzielles Problem stellen. Vorsorglich stellt Bayer für Prozesskosten pro Jahr etwa 687 Millionen Euro zurück.

Entscheidend für das Risiko, wegen der Einnahme der Antibabypille eine Thrombose zu erleiden, sind mehrere Faktoren. Außer dem Alter und dem gesundheitlichen Zustand der Frau ist beim Medikament selbst die Gestagen-Komponente entscheidend. Bei Pillen der dritten und vierten Generation ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Thrombose um ein Vielfaches höher als bei Präparaten der ersten und zweiten Generation.

Für eine Rückrufaktion von Diane-35 gibt es jedoch keine scharfen Kriterien. Ob vier Todesfälle in 25 Jahren viel oder wenig sind, ist eine heikle Diskussion. Vereinzelte Klagen gegen Diane-35 sind bereits bekannt. Ob die Einnahme des Medikaments ein erhöhtes Thrombose-Risiko mit sich bringt, kann daher nicht eindeutig geklärt werden.

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  1. Es ist doch allerdings schon lange klar, dass die Antibabypille starke Nebenwirkungen mit sich bringen kann. Bei Diane 35 scheinen diese sehr ausgeprägt zu sein. Aus diesem Grund sollten sich Frauen wohl langsam aber sicher überlegen, ob sie ihre Gesundheit aufs Spiel setzen möchten. Ich denke, dass man mit einer natürlichen Verhütungmethode deutlich sicherer fahren wird – nicht nur im Hinblick auf die Gesundheit. Auf http://harri-wettstein.de habe ich etwas über die symptothermale Methode gelesen. Diese soll der Sicherheit der Antibabypille ähneln. Es gibt also keinen Grund mehr, überhaupt noch zu hormonellen Verhütungsmitteln zu greifen.