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Diagnose: Googeln ersetzt den Rat des Arztes nicht

Jeder dritte Deutsche nutzt das Web als Gesundheitsratgeber. Mediziner und Angehörige werden jedoch bevorzugt befragt. Nur etwa 2,2 Prozent der Menschen, die eine Onlineberatung eines Therapeuten in Anspruch nahmen, waren zufrieden.

Wer sich über gesundheitliche Themen informieren will, möchte in erster Linie professionellen Rat für sich oder seine Angehörige erhalten und geht in der Regel zuerst zum Arzt. Dennoch nimmt die Bedeutung des Internets für die Aneignung von Gesundheitsthemen ständig zu. Fast zwei Drittel (63%) der deutschen Internetnutzer recherchieren medizinische Themen zunächst im Internet.

Das ergab eine Studie Leipziger Medizinpsychologen zur gesundheitsbezogenen Internetnutzung. Dabei sind die Informationen im Internet zu Gesundheitsthemen alles andere als einfach zu finden. Es gibt auch keine Garantie für die Validität der entsprechenden Informationen. Durch intensive Recherchen bei unterschiedlichen Internetquellen kann man allenfalls theoretisches Wissen ansammeln.

Internetrecherche bringt zwar Informationsgewinn, kann aber auch Unsicherheit hervorrufen. (Foto: wikimedia/U.S.Navy)

Internetrecherche bringt zwar Informationsgewinn, kann aber auch Unsicherheit hervorrufen. (Foto: wikimedia/U.S.Navy)

Am häufigsten wird eine Diagnose gesucht, die die eigenen Symptome am besten beschreibt. Wer jedoch seine Krankheit im Internet googelt, der wird unterschiedliche Ergebnisse zu den Symptomen erhalten, die von der Diagnose einer leichten Erkältung bis hin zu Krebs alles bereithalten können. Je länger und intensiver nach den richtigen Informationen gesucht wird, desto dramatischer können die Suchergebnisse ausfallen. Das kann zu Verunsicherung führen.

Die Studie beschäftigte sich mit dem Bekanntheitsgrad und der Akzeptanz internetbasierter psychotherapeutischer Beratungsangebote. Obwohl das Internet bei 20 Prozent der Befragten einen großen bis sehr großen Einfluss ausübt, wiegen die Empfehlungen von direkten Ansprechpartnern wie Ärzten, Angehörigen und Freunden schwerer als die aus dem Netz gesammelten medizinischen Infos.

„Ärzte und Therapeuten müssen sich darauf einstellen, künftig häufiger auf durch Webangebote vorinformierte Patienten zu treffen“, so die Autorin der Studie Christiana Eichenberg. Sie hebt vor allem die neue Funktion der Therapeuten hervor, „selbst informiert zu sein und gute von unseriösen Quellen unterscheiden zu können“.

Über die Hälfte der deutschen Internetnutzer gab an, nicht ausreichend über die verfügbaren Angebote der psychotherapeutischen Beratungsseiten im Internet informiert zu sein. Dennoch würden sie das Internet in Zukunft vielleicht zu dem Zweck der Beratung hinzuziehen. Nur etwa 2,2 Prozent der Menschen, die die Onlineberatung im Fall psychosozialer Probleme bereits genutzt haben, sind nach eigenen Angaben mit diesem Dienst zufrieden. Im Zweifel gilt jedoch weiterhin: Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

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