Pferdefleisch-Skandal

EU will Fleisch ständigen DNA-Tests unterziehen

Verbraucherschützer schlagen Alarm und die EU reagiert – gerade noch rechtzeitig vor den Parlamentswahlen. Die Minister wollen sich über eine neue Vorschrift zur Kennzeichnung der Inhaltsstoffe beraten.

EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg will offenbar die Kontrollen für die Produktion und Verarbeitung von Fleisch innerhalb der EU verschärfen. Zunächst sollen die EU-Mitgliedstaaten „schnell einen Überblick über das gesamte Ausmaß des Pferdefleisch-Skandals“ gewinnen, sagte Borg der Bild-Zeitung bereits am Montag. Nachdem in Großbritannien und Deutschland in Tiefkühl-Lasagne nicht deklariertes Pferdefleisch gefunden wurde, schlagen die Behörden Alarm.

Borg schließt die Einführung von regelmäßigen DNA-Tests für Fleisch innerhalb der EU nicht mehr aus. Dies solle geschehen, „um die Gesundheit der Verbraucher zu schützen“. Am vergangenen Freitag hat die EU einen Aktionsplan verabschiedet: Pro Mitgliedsland sollen 150 Stichproben gesammelt und einem DNA-Test unterzogen werden. Die Ergebnisse sollen Mitte April ausgewertet sein.

Tonio Borg  ist Mitglied der EU-Kommission und verantwortlich für Gesundheitsthemen. (Foto: consilium)

Tonio Borg ist Mitglied der EU-Kommission und verantwortlich für Gesundheitsthemen. (Foto: consilium)

Die Verbraucherminister der EU wollen den Lebensmittelmarkt in Europa gründlich aufräumen. Bei den Stichproben wird nicht nur nach Pferdefleisch gesucht. Das Fleisch wird auch auf Spuren des Tiermedikaments Phenylbutazon untersucht, das für den Menschen womöglich gesundheitsschädigend wirken könnte. Außerdem wollen die Minister über eine neue Vorschrift zur Kennzeichnung der Inhaltsstoffe beraten. Bislang ist die Kennzeichnung der Herkunft der einzelnen Inhaltsstoffe nicht erforderlich.

Der Sprecher des europäischen Verbraucherschutzverbandes, Johannes Kleis fordert eine neue Etikettierung der Produkte anhand der Herkunft und dem Verarbeitungsort des Fleisches. So könnte eine denkbare Kennzeichnung lauten: „Schweinefleisch, in Dänemark geschlachtet, in Frankreich zu Schinken verarbeitet“, sagte Kleis der Berliner Zeitung.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sprach in der FAZ von einem Betrugsfall mit großer krimineller Energie. Die Spuren von Pferdefleisch wurden in billigen Fertiggerichten entdeckt. Der Produktionsprozess dieser Fertiggerichte findet in Polen und Frankreich statt. Teilweise wurden Lasagne-Produkte analysiert, die bis zu 60 Prozent Pferdefleisch enthielten. In Deutschland hatten nahezu alle Supermarkt-Ketten die kontaminierten Produkte in den Regalen.

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