Wirtschaft

Novartis streicht Millionen-Abfindung für scheidenden Chef

Vasella hätte 72 Millionen Franken bekommen sollen. Die Zahlung hatte in der Schweiz zu massiven Protesten geführt. Die Schweizer wollen per Volksabstimmung erreichen, dass bei börsennotierten Unternehmen künftig die Shareholder bestimmen können, welche Gehälter die Manager erhalten.

Kein Millionen-Paket für Vasella, zumindest nicht in der Höhe von 72 Millionen Schweizer Franken. Der Schweizer Pharmakonzern reagiert damit auf die landesweiten Proteste. Novartis-Vice-Chairman Ulrich Lehner sagte, man glaube zwar an den Wert einer Wettbewerbsklausel – so war die Höhe begründet worden –, wolle aber doch auf die Befindlichkeiten der Shareholder reagieren.

Vasella selbst sagte in einer Aussendung, dass er freiwillig auf die Abfindung verzichte.

Die Wettbewerbsklausel von Novartis muss überarbeitet werden. Daniel Vasella erhält zunächst keine 72 Millionen Schweizer Franken. (Foto: Flickr/WorldEconomicForum)

Die Wettbewerbsklausel von Novartis muss überarbeitet werden. Daniel Vasella erhält zunächst keine 72 Millionen Schweizer Franken. (Foto: Flickr/WorldEconomicForum)

Der Proteststurm hat in der Schweiz zu einer allgemeinen Debatte über die Mitwirkung der Shareholder bei Management-Vergütungen geführt. Die Schweizer wollen per Volksabstimmung erreichen, dass bei börsennotierten Unternehmen künftig die Shareholder bestimmen können, welche Gehälter die Manager erhalten. Der Initiator der Abstimmung, Thomas Minder, zeigte sich beeindruckt von der Empörung im Volk. Dass Vasella angeblich freiwillig abgelehnt habe, überzeugt Minder nicht im Geringsten: Es sei nichts Neues, dass Manager zurückrudern, wenn ihnen der Wind ins Gesicht blase. Außerdem könne man nicht auf etwas verzichten, was einem gar nicht zusteht.

Der Anwalt und Aktionärsvertreter Hans-Jacob Heitz hatte Strafanzeige gegen Novartis gestellt. Er zeigte sich zufrieden über die Entscheidung, will jedoch die Anzeige nicht zurückziehen – dafür sei der Fall zu gravierend.

Auch die Aktionärsvereinigung Actares ist mitnichten zufrieden. Sie beharrt auf ihrem Appell, dem Verwaltungsrat am Freitag bei der Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern. Aus Sicht der Aktionäre handelte der Novartis-Verwaltungsrat zu intransparent. „Wir bleiben bei unserer Position, denn die Art und Weise, wie der Verwaltungsrat das Thema vorbereitet hat, ist ein Problem“, sagte Actares-Geschäftsführer Roby Tschopp der Nachrichtenagentur SDA.

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