Pharma-Industrie

Undurchsichtige Verschreibungspraxis bei teuren Medikamenten

Für bestimmte hochpreisige Medikamente erhalten Ärzte von den Pharmaherstellern Extra-Zahlungen. Durch einen neuen Transparenz-Kodex sollen die Zahlungen an die Ärzte künftig nachvollziehbar sein – ab 2016 sollen alle Daten öffentlich einsehbar sein.

Warum und wie viel Geld die Mediziner von den Pharmaherstellern bekommen, ist noch unklar. Daher soll bald ein neuer Transparenz-Kodex sicherstellen, dass die Zahlungen an die Ärzte für jeden nachvollziehbar werden. Bestimmte Medikamente würden nur verschrieben, weil die Ärzte dafür einen Bonus von den Herstellern erhielten, heißt es einem Bericht vom Focus zufolge.

Bis zum Sommer soll die neue Regelung durch den europäischen Pharma-Dachverband EFPIA ausgearbeitet sein, sagte Susan E. Knoll, die Kommunikationschefin des deutschen Pharmaverbands vfa: „Ab Anfang 2015 sollen alle Daten erfasst und ab 2016 veröffentlicht werden.“

Die Verschreibung und die Preise von Medikamenten sind immer noch zu intransparent. (Foto: Flickr/weisserstier)

Die Verschreibung und die Preise von Medikamenten sind immer noch zu intransparent. (Foto: Flickr/weisserstier)

Intransparente Zahlungen an die Ärzte gefährdeten das Vertrauen in den Arztberuf, sagte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Wolf-Dieter Ludwig. Für die Krankenkassen kommt der Schritt der Pharmaunternehmen zu spät: „Es ist mehr als überfällig, dass die Pharmaindustrie endlich Klarheit und Transparenz schafft, warum und wie viel Geld sie extra an die einzelnen Ärzte zahlt“, sagte ihr Verbandssprecher Florian Lanz.

Der neue Kodex soll jedoch erst ab 2016 wirksam werden. Schneller könnten die Unternehmen keine Datenbanken aufbauen, außerdem müssten die Mediziner ihr Einverständnis für eine Veröffentlichung geben, so Knoll. Danach kann aber jeder Patient Höhe und Art der Zuwendungen einsehen, die der Arzt mit dem Pharmaunternehmen vereinbart hat, berichtet die Frankfurter Rundschau.

Auch die Ärzteschaft ist grundsätzlich für mehr Transparenz. „Die Pharmaindustrie sollte Beeinflussungsstrategien einfach einstellen“, sagte Eckhard Schreiber-Weber von der Ärzteorganisation Mezis. Die Pharmaunternehmen gerieten zuletzt wegen ihrer Lobby-Arbeit zur Preisgestaltung der Medikamente in die Kritik.

Seit der Arzneimittelreform 2011 gibt es für jedes Medikament zwei Preise: den originalen Listenpreis und den Rabattpreis für die Krankenkassen. Die Pharmaindustrie wollte gesetzlich festlegen lassen, dass die Rabattpreise nicht veröffentlicht werden, um Medikamente so teuer wie möglich im Ausland vermarkten zu können. Jedoch müssen Großhandel, Apotheken und Versicherte den Rabattpreis kennen, damit die Zuzahlungen der Patienten vernünftig kalkuliert werden können.

Die Bundesregierung hat der Geheimhaltung der Preise daher widersprochen. Daraufhin gewährten die Pharmaunternehmen den Krankenkassen den Rabatt erst im Nachhinein, was dazu führte, dass Patienten seither eine höhere Zuzahlung in den Apotheken leisten müssen. Den Profit streichen der Pharmagroßhandel und die Apotheken ein. Kassen und Versicherte müssen draufzahlen.

Das Gesundheitsministerium bleibt bislang untätig, die Zuständigkeit verbleibt bei dem Spitzenverband der Krankenkassen. Bis dieser durch Verhandlungen ein Einlenken der Pharmaindustrie erreicht hat, kann noch einige Zeit ins Land gehen. Solange können die Medikamentenhersteller die Ärzte zur Verschreibung ihrer Medikamente beeinflussen und sind bei ihrer Preisgestaltung weitgehend flexibel.

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