Übergewicht

Veränderungen im Gehirn verhindern den Erfolg von Diäten

Mit Zunahme des Gewichts verändert sich auch eine bestimmte Hirnregion, die den Erfolg von Diäten beeinflusst. Ob die strukturellen Veränderungen im Gehirn durch übermäßiges Essen entstehen oder Vererbung sind, wollen die Forscher jetzt heraus finden.

Ähnlich wie bei suchtkranken Menschen hat sich auch bei Übergewichtigen das belohnungsrelevante Verhalten verändert. Entsprechende Beobachtungen des Belohnungszentrums des Gehirns ergaben, dass diese Veränderungen auf den Erfolg von Diäten direkten Einfluss nehmen.

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) berichtet desweiteren über geschlechtsspezifische Unterschiede: Vor allem bei Frauen verändert sich mit der Zunahme des Gewichts auch die verhaltenssteuernde Hirnregion. „In Verhaltensexperimenten neigen übergewichtige im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen eher dazu, kurzfristige Belohnungen zu wählen, auch wenn negative Konsequenzen folgen“, sagte Annette Horstmann, Neurobiologin in der Abteilung Neurologie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig: „Sie gönnen sich schneller ein Stück Schokolade – auch wenn sie wissen, dass es für die Figur nachteilig ist. Dieser Unterschied ist bei Männern nicht zu beobachten.“

Übergewichtige Frauen haben es schwerer als Männer, Gewicht zu verlieren. (Foto: Flickr/Tobyotter)

Übergewichtige Frauen haben es schwerer als Männer, Gewicht zu verlieren. (Foto: Flickr/Tobyotter)

Die Größenunterschiede der Hirnareale lassen vermuten, dass Frauen eine erhöhte Willenskraft aufbringen müssen, um Diäten erfolgreich einzuhalten. Dieses Verhalten sei „bei Männern nicht zu beobachten“, sagte Horstmann weiter. „Gleichzeitig wäre das eine Erklärung, warum bei vielen Übergewichtigen Diäten keinen Erfolg zeigen“, so die DGKN-Expertin.

Übergewichtige Menschen können aber nicht ausschließlich selbst für ihr hohes Gewicht verantwortlich gemacht werden. „Einige Studien weisen darauf hin, dass auch Veranlagungen zu übermäßigem Essen führen können“, erklärt Burkhard Pleger, Oberarzt an der Tagesklinik für kognitive Neurologie des Universitätsklinikums Leipzig. Ob die strukturellen Veränderungen der Hirnregionen „aus dem Überessen resultieren, oder ob sie eine Veranlagung darstellen, ist Gegenstand aktueller Forschung“.

Die Symptome seien vergleichbar mit den Entzugserscheinungen von Alkohol- und Drogenkranken. „Daher ist es notwendig, die Therapie der Fettsucht ähnlich wie die Therapie von Alkohol- und Drogenabhängigen aufzubauen“, so Joseph Claßen, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum in Leipzig. Psychologische Betreuung und Ernährungsberatung gehören dazu. Die individuellen Probleme der Menschen müssen berücksichtigt werden. Die Hirnforschung trage dazu bei, diese Probleme besser verstehen zu lernen, ergänzte Oberarzt Pleger.

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