Medikamente

Wechselwirkung von Pillen noch nicht genug erforscht

Medikamenten-Cocktails sorgen jährlich für zahlreiche Krankenhauseinweisungen und Todesfälle. Ärzte und insbesondere Patienten sollten sich über die Wechselwirkungen ihrer Medikation informieren – bei älteren Patienten verbleiben die Arzneimittel z.B. länger im Körper.

In jeder Packungsbeilage sind neben der Dosierung und der Art der Anwendung auch Angaben über die Wechselwirkung mit anderen Medikamenten vorhanden, sollten diese bekannt sein. Allzu oft sind diese Angaben jedoch unvollständig. Aufgrund der großen Anzahl der Medikamente erscheint es auch unmöglich, die Wechselwirkungen aller Medikamente zueinander erforschen zu können.

Wenn Patienten nur zwei Medikamente einnehmen, ist das Risiko der Wechselwirkungen noch absehbar. Es existieren bereits Datenbanken, Studien und Erfahrungswerte, die zurate gezogen werden können. Wenn es jedoch um die Abschätzung der Folgen bei der Einnahme von drei, vier oder noch mehr Medikamenten geht, sind auch die Ärzte meist ahnungslos. Zudem kommt es auch immer auf den Zustand des Patienten an.

Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung der Uni Bremen, macht auf die Wechselwirkungen von Medikamenten aufmerksam. (Screenshot: DGN)

Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung der Uni Bremen, macht auf die Wechselwirkungen von Medikamenten aufmerksam. (Screenshot: DGN)

Gerd Glaeske, Professor für Arzneimittelversorgungsforschung der Uni Bremen, ist einem Bericht von Doccheck News zufolge der Ansicht, dass „rund 300.000 Klinikeinweisungen und bis zu 24.000 Todesfälle jährlich auf Arzneimittel-Wechselwirkungen zurückzuführen sind“. Zwar gibt es in jeder Apotheke die Möglichkeit, die Wechselwirkungen untersuchen zu lassen, jedoch ist die EDV nicht effektiv genug: Das System liefert so viele Warnmeldungen, dass diese nicht selten vom Apothekenpersonal ignoriert werden. Man verlässt sich immer noch zu sehr auf die Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker und auf Erfahrungswerte.

Ein besonders hohes Risiko, Wechselwirkungen ausgesetzt zu sein, besteht mit zunehmendem Alter der Patienten. Aufgrund der veränderten Verteilung des Medikaments im Körper und der Proteinbindung älterer Patienten kann die Wirkung der einzelnen Medikamente abgeschwächt, aufgehoben oder verstärkt werden. Bei der Resorption, der Verteilung, der Umwandlung oder der Ausscheidung der Medikamente durch den Körper können diese Wechselwirkungen zum Vorschein kommen.

Medikamente können nur wirken, wenn sie durch die körpereigenen Plasma-Proteine aufgenommen werden. Wenn nun mehrere Medikamente mit den nur begrenzt vorhandenen Proteinen um die Aufnahme konkurrieren, kann sich die Konzentration des Wirkstoffes verändern und die Wirkung des Medikamentes kann sich verdoppeln. Hierbei kann es sogar zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Bei älteren Patienten verbleiben die Arzneimittel länger im Körper und wirken auch länger, daher ist die Wahrscheinlichkeit einer Wechselwirkung größer. Ärzte und insbesondere Patienten sollten sich über die Wechselwirkungen ihrer Medikation informieren. Die Interaktionsdatenbanken Lexi-Interact, ABDA-Datenbank, DIMDI oder AMeLI sind alle kostenpflichtig. Es gibt aber auch zahlreiche Apps für Tablets und Smartphones, die für wenig Geld vergleichbare Leistungen bieten. Auf der Internetseite www.kompendium.ch ist ein kostenloser Interaktionscheck möglich.

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