Deutschland

Charité-Chef fordert mehr Geld für die Kliniken

In den vergangenen Jahren haben sich die Kliniken massiv verschuldet. Der Chef des Berliner Uni-Klinikums Einhäupl beklagt den schleichenden Verfall der deutschen Krankenhäuser: Die Berliner Uni-Klinik habe einen Sanierungsstau von mehr als 600 Millionen Euro.

Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité, beklagt den unaufhaltsamen Verfall der deutschen Krankenhäuser. Gerade für die hoch spezialisierten Universitätskliniken sei der Kostendruck des Gesundheitssystems kaum noch zu schultern. Für die kommenden Jahre sagte der Professor daher in Deutschland ein Kliniksterben voraus, wenn am Finanzierungssystem nichts geändert werde, berichtete die Berliner Morgenpost. Patienten und Mitarbeiter klagten deutschlandweit über Engpässe in der Pflege und der normalen Krankenbetreuung.

Auch die Kliniken haben sich in den vergangenen Jahren massiv verschuldet. Nun drückt der Schuldendienst. Wie schon die Kommunen müssen auch die Krankenhäuser einen signifikanten Anteil ihrer Haushalte für Zinsen und Tilgung verwenden. Daher können die Kommunen den Krankenhäusern auch keine neue Mittel zur Verfügung stellen.

Die größte Klinik Europas kämpft gegen die Überschuldung. Für die Sanierung muss mehr Geld aufgetrieben werden. (Foto: Flickr/dalbera)

Die größte Klinik Europas kämpft gegen die Überschuldung. Für die Sanierung muss mehr Geld aufgetrieben werden. (Foto: Flickr/dalbera)

Nachdem die Charité, das größte Universitätsklinikum Europas, in den Jahren 2008 bis 2010 Verluste von zusammen knapp 100 Millionen Euro verzeichnet hatte, wurden unter anderem mehr als 1.000 Vollzeitstellen nicht neu besetzt. Allerdings arbeitet die Klinik nun am Limit. „Das Geld reicht nur, wenn uns nichts Wesentliches kaputtgeht“, sagte Einhäupl. Die Charité werbe bereits 154 Millionen Euro an Sponsorengeldern aus Wissenschaft und Industrie selbst ein. Insgesamt hat die Berliner Uni-Klinik einen Sanierungsstau in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro.

Die Charité rechnet für dieses Jahr nicht mehr mit einem Gewinn. „Wir streben einen Abschluss plus/minus null an, und das ist schon ein ehrgeiziges Ziel“, zitierte die Berliner Morgenpost den Finanzvorstand Matthias Scheller. Die Grenze der Belastbarkeit sei erreicht und an einigen Stellen sogar schon überschritten. Die finanzielle Situation des Uni-Klinikums mache ihm manchmal Angst. „Denn ich sehe keinen Weg, das aufzulösen“, sagte Scheller. Der Bund müsse die Kliniken besser finanzieren.

Die Vernachlässigung der Klinik geht inzwischen so weit, dass eine Krankenhausküche geschlossen werden musste, nachdem Dreck aus den vielen Ritzen ins Essen gefallen war. Der Berliner Senat erwartet, dass die Charité das Geld für die nötigen Investitionen selbst erwirtschaftet. Wenn das Land ihm nicht entgegenkommt, wird Einhäupl seinen bis August 2013 laufenden Vertrag nicht verlängern. Doch eine Einigung ist ungewiss, denn das Land Berlin ist selbst pleite.

Die Situation in der Charité ist nur ein Beispiel für den desolaten Zustand des Gesundheitssystems. Verdi kritisiert den Personalmangel an deutschen Krankrenhäusern. Wie das Ärzteblatt berichtet, fehlen bundesweit etwa 162.000 Stellen. Der Krankenhausbetrieb könne nur aufrechterhalten werden, weil das Pflegepersonal eine so hohe Selbstverantwortung an den Tag lege, so Verdi-Vorstandsmitglied Ellen Paschke. Die Pflegekräfte in den Kliniken seien dabei jedoch „am Ende angelangt, sie sind kaputt, sie sind ausgebrannt”.

Der Wettbewerb der Krankenhäuser um immer geringeren Personaleinsatz und die niedrigste Fachkräftequote müsse beendet werden, forderte Paschke.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte, die Koalition werde die Situation in den Krankenhäusern beobachten. Dazu gehöre aber auch die Erstellung eines Gutachtens bis Ende Juni. Einer Befragung von Verdi zufolge fehlten bundesweit etwa 70.000 Pflegestellen und etwa 92.000 Stellen in den Bereichen ärztlicher Dienst, Funktionsdienst, medizinisch-technischer Dienst, Service und Verwaltung. Einen ersten Schritt zur Verbesserung der Situation hat die Bundesregierung mit dem Gesetz zur Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Altenpflege bereits getan (siehe unten).

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